• PORTRÄT DALIA MOGAHED BERATERIN VON BARACK OBAMA:: "Muslime wollen gleichwertige Partner sein"

PORTRÄT DALIA MOGAHED BERATERIN VON BARACK OBAMA: : "Muslime wollen gleichwertige Partner sein"

Der Erfolg hat viele Väter – und Mütter. Zu den Eltern des Erfolgs der Rede, die Barack Obama in Kairo hielt, zählt Dalia Mogahed.

Christoph von Marschall
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Foto: promo

Die 33-jährige Dalia Mogahed leitet das Zentrum für Muslim-Studien des Meinungsforschungsinstituts Gallup in Washington und ist Mitglied des 25-köpfigen Gremiums, das den Präsidenten beim Umgang mit anderen Weltreligionen berät.

Als Ben Rhodes, der außenpolitische Redenschreiber, die Islam-Experten um Rat bat, empfahl Mogahed drei Leitmotive: Respekt im Umgang mit dem Islam, Empathie für Standpunkte der Muslime, die von westlichen Sichtweisen abweichen, und Anerkennung der Bedeutung des Islams für die Zivilisation. Damit stand sie nicht allein, wie sie zugibt. Das gilt auch für andere Ratschläge: Obama solle nicht den Begriff islamischer Terrorismus benutzen, sondern von gewalttätigem Extremismus sprechen. Und er solle aus dem Koran zitieren.

Doch wenn Dalia Mogahed solchen Rat gibt, hat das besonderes Gewicht. Sie wurde in Kairo geboren. In die USA kam sie im Alter von fünf Jahren. Zu Hause redete die Familie arabisch. Sie spreche es mit Kairoer Färbung, sagen Kenner. An der Universität Pittsburgh erwarb sie ihren Master of Business Administration. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und ist längst amerikanische Staatsbürgerin.

Dennoch trägt sie weiter ein Kopftuch, es ist ihr Markenzeichen bei öffentlichen Auftritten. Islam und Moderne, so ihre Botschaft, schließen sich nicht aus. Das Tuch sei auch kein Beleg für eine mangelnde Integrationsbereitschaft. Obama übernahm die Aussage in der Kairoer Rede: „Ich weise die Sichtweise mancher Menschen im Westen zurück, dass eine Frau, die ihr Haar bedeckt, nicht gleichberechtigt sei.“

So aufgeklärt gaben sich Obama und seine Berater nicht immer. Im Wahlkampf gab es einen Eklat. Mitarbeiter verboten zwei jungen Frauen mit Kopftüchern, sich hinter das Rednerpult zu setzen. Sie wären im Fernsehen gut sichtbar gewesen. Die Kampagne hielt es für schädlich, wenn Wähler den Kandidaten mit dem Islam verbinden. In Kairo warb er nun damit, dass sein zweiter Vorname Hussein ist und seine väterlichen Vorfahren Muslime in Kenia waren.

Ähnlich medienbewusst wurde jetzt Mogahed eingesetzt: mit Kopftuch. In der Woche vor der Rede gab sie unzählige Interviews für Fernsehsender in arabischen und anderen muslimischen Ländern, um die Interpretation vorab zu lenken. In dieser Rolle hatte sie größeren Einfluss auf die internationale Rezeption als durch ihren Rat an den Redenschreiber zum Inhalt.

Die Sicht der Muslime auf den Westen ist ihr Fachgebiet. Zusammen mit John Esposito hat sie ein Buch geschrieben: „Who Speaks for Islam? What a Billion Muslims Really Think“. Es basiert auf der Befragung von 50 000 Muslimen in 35 Ländern. Sie bewundern den Westen für seine Moderne, den verlässlichen Rechtsstaat und die demokratische Teilhabe. Doch sie fühlten sich umgekehrt nicht respektiert. Sieben Prozent der Muslime sind demnach radikal. Über die kommenden Jahrzehnte will Mogaheds Gallup-Abteilung 90 Prozent aller Muslime befragen.

Sie fordert Realismus: Obama werde manches anders machen als seine Vorgänger, nicht aber den Kurs der US-Außenpolitik radikal ändern. Auch die Muslime werden ihre Sicht Amerikas nicht wegen der Rede eines neuen Präsidenten umdrehen. Das Ziel sei nicht, dass die andere Seite die eigene Sicht übernehmen müsse, sondern „dass wir die Stimmen der anderen hören“. Christoph von Marschall

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