PORTRÄT : David Rohde: „Ich weiß, was ich tue“

Sieben Monate lang war der "New York Times"-Reporter David Rohde in der Hand der Taliban. Jetzt kam er auf wundersame Weise frei: Angeblich entwischte er seinen Entführern, indem er einfach über eine Mauer sprang.

Christine Möllhoff

Es war nicht das erste Mal, dass er in Gefangenschaft geriet. David Rohde, Reporter der „New York Times“ hatte 1995 im bosnisch-serbischen Grenzgebiet recherchiert, er war maßgeblich an der Aufdeckung des Massakers von Srebrenica beteiligt. Damals wurde er von serbischen Soldaten festgehalten, er musste nach eigener Aussage fast die ganze Zeit stehend in der Mitte eines Raums verbringen. Nach zehn Tagen kam Rohde frei, vor allem auf Druck der damals amtierenden Clinton-Regierung.

Umso tragischer musste es für den zweifachen Pulitzer-Preisträger sein, dass er am 10. November 2008 in eine noch ausweglosere Situation geriet. Zusammen mit seinem afghanischen Kollegen Tahir Ludin hatte sich Rohde von der afghanischen Hauptstadt Kabul aus aufgemacht, um einen TalibanKommandaten zu interviewen. Auf dem Weg zu dem Interview wurden sie von Taliban abgefangen und in die Taliban-Hochburg Nord-Wasiristan nach Pakistan verschleppt. Angeblich wusste Rohde, wie gefährlich das Vorhaben war. Deshalb soll er seine Vorgesetzten erst informiert haben, als es zu spät war, um ihn zu stoppen. So hatte er es bereits in Bosnien gemacht, als er seinen Vorgesetzten erst nachträglich schrieb: „Ich weiß, was ich tue.“ 

Die „New York Times“ hatte die Entführung ihres Starreporters geheim gehalten, um das Leben von David Rohde nicht zu gefährden. Erst jetzt kam die Nachricht ans Licht und die Zeitung berichtete am Wochenende von einer wundersamen Flucht: Im Schutz der Dunkelheit sei der 41-Jährige in der Nacht zu Samstag einfach über eine Mauer des Gehöfts geklettert, in dem man ihn zusammen mit dem Reporterkollegen Ludin gefangen hielt. Dort soll ihnen zufälligerweise ein pakistanischer Armeespäher über den Weg gelaufen sein, der sie zu einem Lager von Grenzsoldaten in Sicherheit brachte. Die Zeitung bestreitet, dass Lösegeld geflossen ist oder im Austausch inhaftierte Talibankämpfer freigelassen wurden.

Rohde, der als höchst erfahrener Krisen- und Kriegsreporter gilt, hatte in Afghanistan für ein Buch recherchiert. Seine Ehefrau Mulvihill zeigte sich zutiefst erleichtert und dankte der „New York Times“ und der US-Regierung für ihre Hilfe. Die beiden sind frisch verheiratet. Man kann nur erahnen, welche alptraumhafte Zeit sie durchgestanden hat: „Wir sind gerade neun Monate verheiratet. Sieben davon war David in Gefangenschaft.“ Christine Möllhoff

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