PORTRÄT EVA JOLY FRANZÖSISCHE ÖKOLOGIN: : „Ich beuge mich keiner Anordnung“

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In der ersten Runde hatten ihr vor zwei Wochen genau 66 Stimmen gefehlt, um zur Kandidatin der Ökologen für die Präsidentenwahl 2012 gekürt zu werden. Im zweiten Durchgang hat sie es jetzt geschafft. Noch bevor alle Stimmen ausgezählt waren, stand Eva Joly mit einem überwältigenden Vorsprung vor ihrem Konkurrenten Nicolas Hulot als Siegerin aus der Primärwahl der Umweltpartei Europe-Ecologie-Les-Verts (EELV) fest. Statt des populären, in allen Umfragen als Favorit ausgewiesenen 56-jährigen Fernsehstars Hulot wird die ehemalige Untersuchungsrichterin (67), die einst Frankreichs Wirtschaftsbosse in Korruptionsaffären zittern ließ, die Ideen der Ökobewegung im Wahlkampf vertreten.

Die Abstimmung ist auch ein Votum für die ideologische Orientierung des erst ein Jahr alten Zusammenschlusses von Ökologen und Grünen. Mit seinen TV-Reportagen über die in den fernsten Winkeln der Welt bedrohte Natur mochte Hulot höchste Einschaltquoten erreichen, für die Basis zählte, dass er eine klare Unterscheidung zwischen rechts und links vermissen ließ, dass er jahrelang Sponsorengeld vom Elektrizitätskonzern EdF entgegennahm und sich erst spät gegen die Atomkraft aussprach. Dagegen wusste Joly, die schon als junges Mädchen gegen die Nuklearenergie demonstrierte, mit ihren abrupten, kämpferischen Aussagen zu einer „sozialen Ökologie“ zu überzeugen.

Als 18-Jährige war Gro Eva Farsetz, wie die gebürtige Norwegerin mit Mädchennamen heißt, als Aupair nach Paris gekommen. Sie heiratete den Sohn der Gasteltern, studierte Jura und wurde Untersuchungsrichterin. Über die Grenzen Frankreichs hinaus wurde die verwitwete Mutter zweier Kinder durch ihren unerschrockenen Einsatz zur Aufklärung des Korruptionsskandals beim Ölkonzern Elf bekannt. Sie widerstand allen Demontageversuchen: „Ich beuge mich keiner Anordnung.“ Danach ging sie als Beraterin der norwegischen Regierung nach Oslo.

2009 kam sie zur Europa-Wahl zurück. Mit Daniel Cohn-Bendit, der sie zu den Grünen holte, schnitt die Öko-Liste in der Pariser Region besser ab als die der Sozialisten. Bei der Präsidentenwahl könnte sie zehn Prozent erreichen. Von der Zahl der Mandate, die EELV bei der folgenden Parlamentswahl erringt, würde es dann im Fall eines Sieges der Sozialisten abhängen, ob die Ökobewegung der nächsten Regierung angehört – vielleicht mit Joly als Ministerin. Hans-Hagen Bremer

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