• PORTRÄT FERDINAND KIRCHHOF VERFASSUNGSRICHTER:: „Nonnentracht ist eine Berufskleidung“

PORTRÄT FERDINAND KIRCHHOF VERFASSUNGSRICHTER: : „Nonnentracht ist eine Berufskleidung“

Ursula Knapp

Er ist bereits 57 Jahre alt, aber immer noch der „jüngere Bruder“. Denn Ferdinand Kirchhof ist der Bruder von Paul Kirchhof. Und wie früher Paul ist auch Ferdinand jetzt Verfassungsrichter in Karlsruhe. Es gibt noch mehr Parallelen. Beide sind der CDU eng verbunden und wurden von der Partei für das Amt vorgeschlagen. Beide haben als Juristen eine Wissenschaftskarriere gemacht. Der eine, Paul, ist Professor in Heidelberg, Schwerpunkt Steuerrecht. Der sieben Jahre jüngere Ferdinand ist Professor in Tübingen, Schwerpunkt Steuerrecht. Acht Jahre nach dem Ausscheiden seines Bruders übernimmt nun Ferdinand das Geschäft. Das hat den Beigeschmack von Erbfolge.

Aber es gibt einen wichtigen Unterschied: Ferdinand Kirchhof wird Mitglied des Ersten Senats. Sein Bruder gehörte dem Zweiten Senat an. Das hat Folgen. Denn der Erste Senat ist nicht für das große Gebiet des Einkommensteuerrechts zuständig, sondern „nur“ für die Mehrwertsteuer und die Erbschaftsteuer. Ferdinand Kirchhof, der das Steuerkonzept des Bruders Paul einmal „prima in seiner Einfachheit“ nannte, wird also nur am Rande mit Steuerrecht befasst sein. Im Ersten Senat geht es um die demokratischen Grundrechte. Gleich übernächste Woche.

Am 10. Oktober wird Kirchhof an der Verhandlung über Online- Durchsuchungen teilnehmen, die in Nordrhein-Westfalen erlaubt ist. Er muss mit darüber entscheiden, ob und unter welchen Voraussetzungen das heimliche Kopieren der Festplatte durch den Staat verfassungsgemäß ist.

In den vergangenen Jahren hatte Kirchhof mehrfach das Land Baden-Württemberg vertreten, so im Streit um das Kopftuch einer muslimischen Lehrerin oder in der Föderalismuskommission. Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) war es, der sich bereits vor zwei Jahren für die Wahl Kirchhofs einsetzte. Damals wurde aber in letzter Minute Roland Kochs Kandidat gewählt, der frühere hessische Staatssekretär Landau.

Es gibt übrigens noch einen Unterschied zum älteren Bruder. Ferdinand Kirchhof ist mit einer sogenannten Karrierefrau verheiratet und hat keine Kinder. Ein Modell, dem der vielfache Familienvater Paul Kirchhof eher kritisch gegenübersteht. Wenn der heute 57-Jährige in elf Jahren die Altersgrenze erreicht und dann als Verfassungsrichter ausscheiden muss, wird voraussichtlich keiner mehr vom „jüngeren Bruder“ sprechen. Ursula Knapp

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