• PORTRÄT FRANCOIS BAROIN FINANZMINISTER FRANKREICHS:: „Ich werde in der Kontinuität stehen“

PORTRÄT FRANCOIS BAROIN FINANZMINISTER FRANKREICHS: : „Ich werde in der Kontinuität stehen“

von
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Die Finanzminister der Euro- Zone werden staunen, wenn sie an diesem Sonntag zu ihrer nächsten Beratung über die griechische Krise zusammenkommen. An Stelle der eleganten Christine Lagarde, die zur Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) gewählt wurde, wird ein junger Mann, der den Charme eines Harry Potter versprüht, als französischer Finanzminister teilnehmen. Wolfgang Schäuble, seinem deutschen Amtskollegen, hat François Baroin bereits telefonisch seine Ansichten dargelegt. Nun werden die übrigen Teilnehmer des Treffens erfahren, wie der Neuling in ihrer Runde seine Aufgabe sieht: „Ich werde mit meiner Politik in der Kontinuität stehen“, hat er bei der Amtsübernahme versichert.

Dem Wechsel in Bercy, wie Frankreichs Finanzministerium nach dem Pariser Stadtteil heißt, in dem es seinen Sitz hat, war ein ungewöhnliches Tauziehen vorausgegangen. Präsident Nicolas Sarkozy hatte das wichtige Ressort eigentlich seinem Landwirtschaftsminister Bruno Lemaire versprochen. Doch Baroin, der bisher schon als Budgetminister in Bercy wirkte, legte sich quer. Er werde die Regierung verlassen, drohte er, wenn ihm diese „Erniedrigung“ angetan würde. Ein „wahres Psychodrama“ spielte sich ab, wie Eingeweihte zu berichten wussten. Am Ende gab Sarkozy nach, manche sagen, er ließ sich erpressen, und machte statt des fließend Deutsch sprechenden Lemaire den kaum des Englischen mächtigen Baroin zum Nachfolger Lagardes.

Dass Baroin auf dem Gebiet der internationalen Finanzpolitik nur wenig Erfahrung mitbringt, halten Kenner der Verhältnisse indes für unbedeutend. Alle wichtigen Entscheidungen würden ohnehin im Elysée-Palast getroffen, heißt es. Der eigentliche Finanzminister sei Xavier Musca, der Generalsekretär des Präsidialamtes. Das habe auch für Lagarde so gegolten.

Baroin gehört zur Riege der Minister, die dem Flügel des ehemaligen Präsidenten Jacques Chirac in der Regierungspartei zugerechnet werden. Der Altpräsident war mit Baroins Vater eng befreundet. Als dieser tödlich verunglückte, nahm er sich des jungen Mannes wie eines Ziehsohnes an. Mit 28 Jahren wurde Baroin, der als Jurist keine der Eliteschulen absolvierte, jüngster Abgeordneter der Nationalversammlung. Er wurde Bürgermeister der Stadt Troyes und mehrmals Minister. Er ist geschiedener Vater dreier Kinder und lebt mit der Schauspielerin Michèle Laroque zusammen. Hans-Hagen Bremer

0 Kommentare

Neuester Kommentar