PORTRÄT FRANZISKA DROHSEL JUSO-CHEFIN: : „Ich distanziere mich vom RAF-Terror“

So schnell wie sie hat es in den vergangenen zwei Jahrzehnten kein neuer Juso-Chef und keine neue Juso-Chefin in die Schlagzeilen geschafft. Die 27-jährige Berlinerin Franziska Drohsel ist noch keine Woche im Amt, da steht sie schon im Zentrum einer heftigen politischen Debatte.

Hans Monath

So schnell wie sie hat es in den vergangenen zwei Jahrzehnten kein neuer Juso-Chef und keine neue Juso-Chefin in die Schlagzeilen geschafft. Die 27-jährige Berlinerin Franziska Drohsel ist noch keine Woche im Amt, da steht sie schon im Zentrum einer heftigen politischen Debatte. Nicht nur Unionspolitiker kritisieren die Juristin heftig, auch aus den eigenen Reihen bekommt sie gallige und drohende Ratschläge.

Die neue Juso-Chefin ist bekennendes Mitglied der „Roten Hilfe“, weshalb Unionspolitiker entweder ihren Austritt aus der Vereinigung oder ihren Rücktritt fordern. Laut Verfassungsschutz gibt es „konkrete Anhaltspunkte für linksextremistische Einflüsse“ in dem Verein, der für Solidarität mit inhaftierten Linksextremisten wirbt. Der Beistand gelte „allen Menschen, die wegen ihres linken politischen Engagements von der Justiz verfolgt“ würden, heißt es auf dessen Internetseite, dazu gehöre die Forderung „nach der längst überfälligen Freilassung der verbliebenen Gefangenen aus der RAF“. Der Gedanke, dass gewalttätige Mittel wie Mord linke politische Ziele diskreditieren, beunruhigt die Aktivisten offenbar wenig.

Deshalb ist das Gedankenspiel durchaus überzeugend, das Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach anstellt: Wäre der Vorsitzende der Jungen Union Mitglied eines rechtsradikalen Vereins, würde es „zu Recht einen Aufschrei von Flensburg bis Mittenwald geben“. Die Juso-Chefin aber sieht keinen Widerspruch zwischen ihrem neuen Amt und der Mitgliedschaft. Sie teile nur das Anliegen des Vereins, Rechtsbeistand für Menschen zu organisieren, die bei linken Demonstrationen gegen den G-8-Gipfel oder Neonazis festgenommen wurden. Das Gleiche gelte aber nicht für alle Positionen, versichert sie nun: „Ich distanziere mich ausdrücklich von Solidaritätsaufrufen für RAF-Terroristen oder Mitglieder der (baskischen Terrorgruppe, d. Red.) Eta.“

Auf mangelndes begriffliches Unterscheidungsvermögen kann sich die Juristin bei ihrer Verteidigung kaum berufen: Sie arbeitet gerade an ihrer Staatsrechtspromotion. Allerdings erfüllt die 27-Jährige auch keineswegs das Klischeebild einer Linksradikalen, wie sogar politische Gegner aus Berlin bestätigen, wo sie als Juso-Landeschefin wirkte. Danach ist Drohsel eine faire Diskussionspartnerin, engagiert sich für Israel und lehnt Antiamerikanismus ab.

Fraglich ist allerdings, ob sie mit eigenen politischen Akzenten durchdringen kann, wenn sie sich von der „Roten Hilfe“ nicht deutlicher absetzt. Auch die Verteidigung der SPD-Oberen klingt mau. So verurteilt SPD-Generalsekretär Heil die Unionsattacken auf Drohsel als „durchsichtig“, macht aber gleichzeitig klar, dass er persönlich von der „Roten Hilfe“ nur wenig hält. Hans Monath

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