Porträt Geoffrey Robertson, Menschenrechtsanwalt : "Der Papst muss auf die Anklagebank"

Geoffrey Robertson soll prüfen, inwieweit Papst Benedikt XVI. im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche persönlich belangt werden kann.

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Man könnte das Ganze als aktionistische Tat von Religionskritikern abtun, die aus dem Versagen der katholischen Kirche in der Missbrauchsdebatte Gewinn ziehen möchten. Zwei bekannte britische Atheisten, der Oxford-Biologe Richard Dawkins und der Publizist Christopher Hitchens, lassen prüfen, inwieweit Papst Benedikt XVI. in dem Skandal persönlich belangt werden kann. Beauftragt haben sie damit nicht irgendeinen Anwalt, sondern ausgerechnet Geoffrey Robertson, einen der bekanntesten Menschenrechtsjuristen der Welt. Robertson, 1946 in Sydney geboren, ist unter anderem als Anwalt von Salman Rushdie tätig. Er gehört dem Rechtskommittee der Vereinten Nationen an und war Berufungsrichter am UN-Sondergerichtshof für Sierra Leone. 1999 brachte er das Standardwerk „Crimes Against Humanity“ – Verbrechen gegen die Menschlichkeit – heraus.

Die Definition dazu findet sich in Artikel 7 des Rom-Statuts des Internationalen Strafgerichtshofes. Es geht um Taten, „die weit verbreitet oder systematisch und direkt gegen die Zivilbevölkerung erfolgen“. Nur in sehr wenigen Fällen hat der Haager Strafgerichtshof bisher Ermittlungen aufgenommen. Der wohl bekannteste Fall ist das Verfahren gegen den sudanesischen Staatschef Umar Hasan Ahmad al Baschir.

Gerade weil Geoffrey Robertson eine Instanz auf diesem Gebiet ist, erscheint es umso schillernder, dass er nun gegenüber dem Papst mit dem drastischen Vorwurf der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ hantiert – und sich damit selbst dem Vorwurf aussetzt, er diskreditiere ein juristisches Instrument, das nur mit größter Sorgfalt und als letztes Rechtsmittel eingesetzt werden darf. Doch Robertson sieht das Recht auf seiner Seite. „Der Papst muss auf die Anklagebank“, schrieb er vor wenigen Tagen im „Guardian“. Womöglich hofft Robertson tatsächlich, dass Benedikt XVI. vom Strafgerichtshof angeklagt wird – und dann im September bei seinem schon seit längerem geplanten Staatsbesuch in Großbritannien verhaftet werden könnte.

Allerdings steht er mit dieser Meinung juristisch weitgehend allein da. Denn es gibt keine Anhaltspunkte, dass die Missbrauchstaten gezielt vom Vatikan aus gesteuert wurden. Und so bleibt der Eindruck hängen, dass es Robertson, Dawkins und Hitchens in erster Linie gar nicht um die persönliche Verantwortung des Papstes geht – sondern um ihre Gegnerschaft zur Kirche insgesamt.

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