PORTRÄT GEORGINE BÜCHNER LESERIN: : „Bücher gehören zum Leben“

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Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Frau Büchner gehört zu den Deutschen, die das Lesen von Büchern wichtig, sogar sehr wichtig finden – und tatsächlich regelmäßig ein Buch aufschlagen. Denn die Hälfte derjenigen, die das Loblied des Lesens singen, schaltet dann doch lieber den Fernseher an.

Die Mittfünfzigerin Georgine Büchner dagegen, durchschnittliche Bildung, durchschnittliches Einkommen, braucht jeden Tag Lesefutter: „Bücher gehören zu meinem Leben“, sagt sie. Mal liest sie Dummschund zum Abschalten, mal einen Vergeltungsthriller zum Wachwerden, mal eine historische Familiensaga. Neulich hat sie sich sogar ein politsches Sachbuch gekauft. Normalware das alles, Mainstream-Literatur, schließlich ist Frau Büchner eine typische, eine idealtypische Figur. Eine Leserin, wie sie im Buche steht – oder zumindest in den Studien der Buchmarktforscher von Stiftung Lesen, GfK und Börsenverein.

Elf Bücher kauft Georgine Büchner im Jahr, 110 Euro gibt sie dafür aus. Sie kauft in der Buchhandlung, im Internet fühlt sie sich noch nicht so sicher. Manchmal holt Georgine ihren Nachschub auch aus der Leihbücherei, das ist dann sogar kostenlos. Nach Feierabend liest sie ein paar Seiten, dann klingelt das Telefon oder sie hat eine Verabredung – oder sie schläft einfach ein. In den letzten Jahren schafft sie darum auch immer weniger Bücher im Jahr, eines im Monat, zur Weihnachtszeit vielleicht zwei – und das, obwohl sie täglich liest. Viel mehr als ihr Mann Schorsch übrigens, dem genügt seine Tageszeitung.

Zur Leipziger Buchmesse, die am Donnerstag beginnt, wird Georgine Büchner wohl nicht fahren, keine Zeit. Ihre Tochter Emma dagegen wird einen Wochenendausflug in die Bücherstadt unternehmen, es sind schließlich Semesterferien. Emma ist 28 Jahre alt, Studentin, eine durchschnittliche Messebesucherin. Sie will sich über E-Books informieren. Hin und wieder schon hat sie Fachbücher aus dem Internet geladen, um sie in Seminararbeiten zu zitieren. Jetzt will Emma auch mal einen Roman in elektronischer Form lesen. Schick sind sie ja, die neuen Lesegeräte, und ob ein Text nun gedruckt ist oder auf einem Bildschirm steht, ist Emma eigentlich egal. Auch wenn sie sich mit ihrer Mutter einig ist, dass echte Bücher immer noch das Schönste sind.

„Das ist Vertrauenssache“, sagt Georgine Büchner. Ein Buch, das habe man in der Hand, das gebe Orientierung. „Und ich kann es mitnehmen, ohne dass ich eine Steckdose brauche.“ Jan Oberländer

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