• PORTRÄT HANS-OLAF HENKEL EX-BDI, KÜNFTIG AFD:: „Gegen das sture Festhalten am Einheitseuro“

PORTRÄT HANS-OLAF HENKEL EX-BDI, KÜNFTIG AFD: : „Gegen das sture Festhalten am Einheitseuro“

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Nun hat er also endlich eine politische Heimat gefunden. Hans-Olaf Henkel ist der „Alternative für Deutschland“ (AfD) beigetreten und wird wohl für seine neue Partei auch gleich für das Europaparlament kandidieren. Und das mit guten Aussichten auf Erfolg, da bei der Europawahl nur eine Drei-Prozent-Hürde gilt und nicht fünf Prozent wie bei Bundestagswahlen.

Henkel, 73 Jahre, wuchs in Hamburg als Halbwaise auf. 14 Schulen hat er besucht und über den zweiten Bildungsweg Soziologie, Ökonomie und Betriebswirtschaft studiert. Beim IT-Unternehmen IBM machte er als Manager Karriere und schaffte es so auch zum Präsidenten des Bundesverbandes der Industrie (BDI). Von 2001 bis 2005 war er Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Das brachte ihm zu seinem Abschied die Namenspatenschaft für eine neue Schmetterlingsart ein: die „Bracca olafhenkeli“.

Ein profiliertes Gesicht also für die AfD. Einer, der lange als FDP-nah galt, sich dann aber von den etablierten Parteien lossagte, um zunächst die Freien Wähler zu unterstützen, und dann bei der AfD landete. Schon während der Bundestagswahl hatte Henkel für die Unterstützung der AfD geworben. Jetzt ist er eingetreten.

Ein Selbstläufer für die Europawahl? Keineswegs. Henkel ist nicht die große Chance für die AfD, wie es ihr Vorsitzender Bernd Lucke verkaufen will, sondern ein außerordentliches Risiko. Denn Henkel ist so etwas wie die Personifizierung des Neoliberalismus in Deutschland. Immer wieder hat er für mehr Wettbewerb, weniger Staat und tiefere Einschnitte ins Sozialsystem geworben. Vor einem Linksruck in Deutschland hat er gewarnt. „Die Deutschen lieben die Freiheit nicht mehr“, sagte er 2007. Die AfD aber profitiert in hohem Maß auch von Wählern, die eigentlich bei der Linken beheimatet, dort aber unzufrieden sind. Für die indes ist ein Mann wie Henkel Ausdruck des Bösen.

Die AfD wiederum geht das Risiko ein, weil sie, und das zeigt sich in dieser Personalentscheidung, nur auf ein Thema setzt: die Abschaffung des Euro. Mit dieser Forderung geht Henkel seit Monaten hausieren. „Es wird Zeit, dass sich die Politik mit der wahren Ursache befasst: dem sturen Festhalten am Einheitseuro für unterschiedliche Wirtschaftskulturen.“ Der Euro schade Europa und mache aus der Europäischen Union eine Art „EUdSSR“. Jetzt hat er eine politische Plattform für seinen Kampf gefunden. Christian Tretbar

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