• PORTRÄT HERMAN CAIN US–REPUBLIKANER:: „Unter Obama hätte ich Krebs nicht überlebt“

PORTRÄT HERMAN CAIN US–REPUBLIKANER: : „Unter Obama hätte ich Krebs nicht überlebt“

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Er ist der Mann der Stunde unter den konservativen Präsidentschaftsbewerbern. In einigen Umfragen hat er den Favoriten Mitt Romney bereits überholt. Die Probeabstimmung der republikanischen Basis in Florida vor zwei Wochen, wer gegen Barack Obama 2012 antreten soll, gewann Herman Cain mit großem Vorsprung.

Der 65-jährige Afroamerikaner aus den Südstaaten weiß aber, dass mit seinem überraschenden Aufstieg eine neue Phase beginnt. Solange er dem Anschein nach ein chancenloser Außenseiter war, der herzerfrischend umgangssprachlich redet, behandelten ihn die Konkurrenten mit freundlicher Nachsicht – und die US-Medien mit Sympathie. Seit er unter die Favoriten vorgestoßen ist, scherzte Cain kürzlich beim „Value Voters Summit“ der religiösen Rechten in Washington, „kann ich das Fadenkreuz auf meinem Rücken spüren“.

Nun wird er zum Ziel der Angriffe, und seine Vorschläge werden geprüft, zum Beispiel sein „9-9-9“-Plan zur Steuervereinfachung. Es soll nur noch einen Steuersatz für das Einkommen geben, unabhängig von dessen Höhe neun Prozent. Ebenso für die Unternehmensbesteuerung. Abschreibungsmöglichkeiten werden gestrichen, neu hinzu kommt eine föderale Mehrwertsteuer von neun Prozent. Bisher erheben nur Einzelstaaten und Kommunen eine Verkaufssteuer. Republikanische Stammwähler lieben solche angeblich simplen Patentrezepte. Hochrechnungen haben jetzt aber ergeben, dass der Plan nicht aufkommensneutral ist, wie Cain behauptet, sondern die Einnahmen um 20 Prozent mindert. Das Schuldenproblem würde wachsen, die USA geben schon jetzt ein Drittel mehr aus, als sie an Steuern einnehmen.

Cain wärmt die republikanischen Herzen mit Tiraden gegen Obama. Der führe das Land in den Sozialismus. Wäre die Gesundheitsreform schon Gesetz gewesen, als Cain 2006 an Darm- und Leberkrebs erkrankte, „hätte ich nicht überlebt“. Von Außenpolitik versteht er nach eigenem Bekunden wenig; da orientiere er sich an Ronald Reagan: „Stärke und Klarheit“. Freunde wie Israel werden bedingungslos unterstützt, Feinde wie Iran hart bekämpft.

In der Begeisterung für Cain spiegelt sich Misstrauen gegen Romney; der erscheint der Basis zu liberal. Vor Cain stiegen andere rechte Bewerber auf und wurden für zu leicht befunden wie Michele Bachmann und Rick Perry. Bei der nächsten TV-Debatte am Dienstag muss Cain sein Stehvermögen zeigen. Christoph von Marschall

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