Porträt : „Ich kämpfe für die Ehre meiner Partei“

Die französischen Konservativen stehen vor der Spaltung. Grund ist die verpatzte Wahl eines Parteichefs. Einer der beiden Kandidaten, Ex-Premier Francois Fillon, droht nun, eine eigene Gruppierung zu gründen.

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Er ist ein Fan von Autorennen. Seine Begeisterung für dröhnende PS-Maschinen ist so groß, dass er sich manchmal selbst in einen Boliden zwängt und auf der Rennstrecke von Le Mans, seiner Heimatstadt, diesem Hobby frönt. Derzeit dreht François Fillon, Frankreichs ehemaliger Premierminister, immer neue Runden auf einer anderen Piste. In dem Rennen, das nun schon zehn Tage dauert, geht es nicht um den Nervenkitzel bei hoher Drehzahl, sondern um die Zukunft der konservativen Oppositionspartei „Union für eine Volksbewegung“ (UMP). Als Rivale steht Fillon deren bisheriger Generalsekretär und unter dem Verdacht von Manipulationen gewählte neue Parteichef, Jean-François Copé, gegenüber. Wer von beiden in Führung liegt, ist angesichts des Tempos, mit dem sich alles abspielt, schwer zu sagen. Seit gestern scheint das Rennen wieder offen – mit Aussicht auf einen für beide verheerenden Ausgang.

Am Vortag hatten sich die Streithähne noch mit einem Vorschlag des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy einverstanden erklärt, die UMP-Mitglieder zu befragen, ob sie eine Wiederholung der Wahl des Parteichefs wollten. Am Mittwoch rückte Copé davon wieder ab, solange Fillon an der Gründung einer eigenen Fraktion im Parlament festhalte und sich weiter eine Klage vor Gericht vorbehalte. Bis 15 Uhr gab er Fillon Zeit, diese Bedingungen zu erfüllen. Was dieser mit der Erklärung erwiderte: „Ich beuge mich keinem Ultimatum.“

In seiner politischen Laufbahn, die der 1954 geborene Sohn eines Notars mit 27 Jahren als jüngster Abgeordneter im Parlament begann, stand Fillon stets nur in der zweiten Reihe. Auch unter Sarkozy, der den „schweigsamen und bis zur Langweiligkeit seriösen“ (Le Monde) Premier als bloßen „Mitarbeiter“ herabwürdigte. Nach der Niederlage der Rechten sah Fillon seine Stunde gekommen: erst die UMP-Führung, dann 2014 das Pariser Rathaus und 2017 die Kandidatur der nächsten Präsidentenwahl. Seine Popularität bei den Franzosen bestärkte ihn in dieser Ambition. Die Parteiwahl am 18. November, bei der ihn Copé äußerst knapp übertraf, stellte dann aber alles infrage.

Doch gegenüber dem, wie er ihn nennt, „Gauner“, der sich dreimal selbst zum Sieger ausrief, gibt Fillon sich nicht geschlagen. Er weist auf möglichen Wahlbetrug hin, fordert Neuwahlen unter Aufsicht eines neutralen Kollegiums und will den Streit notfalls vor Gericht bringen: „Ich kämpfe für die Ehre meiner Partei.“

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