Porträt : "Ich werde Tag und Nacht arbeiten"

Der neue Premier Dänemarks, Lars Løkke Rasmussen, gilt im Gegensatz zu seinem Vorgänger als Lebemann. Doch auch volksnah soll er sein. Ein Porträt.

André Anwar
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Lars Løkke Rasmussen. -Foto: dpa

Nach einem Gesundheitsfreak übernimmt nun ein Lebemann die Kopenhagener Regierungsgeschäfte. Am Sonntag, einen Tag nach der Ernennung Anders Fogh Rasmussens zum neuen Nato-Generalsekretär, ist sein Namensvetter, der bisherige Finanzminister Lars Løkke Rasmussen von der dänischen Königin Margrethe II. formell zum neuen Premierminister von Dänemark ernannt wurden.

Der 44-jährige Politiker der rechtsliberalen „Venstre“-Partei wird, wie sein Vorgänger, zusammen mit den Konservativen und mit Unterstützung der ausländerfeindlichen Dänischen Volkspartei regieren. Politisch stehen die beiden Rasmussens einander sehr nahe. Beide sind liberale Pragmatiker. Privat sind sie sich hingegen sehr unähnlich. Der neue Rasmussen gilt als gemütlicher und volksnäher. Wie die dänische Königin raucht er gerne, trotz Verbots auch im Ministerium. Er ist auch kein Feind des Alkohols. So kam heraus, dass er bei einem über das Ministerium als „Arbeitslunch“ abgerechneten Treffen mit einem anderen Politiker 20 Gläser Schnaps und fünf Biere vom Fass verdrückte.

Das scheinen die Dänen aber nicht so schlimm zu finden. Als die Zeitung „Berlingske Tidende“ die zehn wichtigsten Punkte aufzählte, die Lars Løkke Rasmussen zu einem guten Regierungschef machten, kam seine bodenständige Volksnähe auf den ersten Platz. „Er ist ein richtig guter Handwerker“, lobte ihn seine Frau Solrun einmal und verriet, dass ihr Mann, der Finanzminister, der vorher Innenminister war, gerne und recht professionell Böden auslegen und Türen austauschen kann. Genau so einen Mann brauche Dänemark nun, meinen seine Anhänger – auch im politisch übertragenen Sinne. Sie hoffen, dass der neue Rasmussen das Land sicher durch die Wirtschaftskrise führt und sich wieder mehr auf den Boden, also die Innenpolitik, konzentriert, als sein Vorgänger der sich – ungewöhnlich oft für einen dänischen Premier – gerne im Rampenlicht der Weltpolitik aufhielt und nun endlich auch einen Vollzeitjob dort hat.

Er könnte im Zuge der Wirtschaftskrise auch innenpolitisch, als Versöhner, dafür sorgen, dass die seit Anders Foghs Amtsbeginn vor sieben Jahren sehr harte Links-Rechtsblockpolitik in Dänemark etwas zugunsten von Kooperation aufgeweicht wird. So könnte auch den Rechtspopulisten etwas von ihrer seit sieben Jahren immer weiter wachsenden Macht im Lande genommen werden.

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