PORTRÄT ILJA SCHULZ COCKPIT-CHEF: : „Nicht mit 63 ins Cockpit zwingen“

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Ilja Schulz macht sich rar. Im April, beim ersten Streik der Lufthansa-Piloten in Sachen Übergangsversorgung am Frankfurter Flughafen, gab sich der Präsident der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) noch kämpferisch. Der 46-jährige Flugkapitän von Lufthansa Cargo polterte gegen den Vorstand der Lufthansa. Sprach von Taschenspielertricks des Managements, das den Rückhalt der Piloten verloren habe. „Wir können nicht Piloten mit 63 ins Cockpit zwingen, die nicht mehr fit sind, aber fliegen müssen, weil sich die Lufthansa ihre Versorgung nicht mehr leisten will“, rief er vor der Konzernzentrale, die Pilotenmütze tief in die Stirn gezogen.

Seitdem schweigt Schulz zum Streik und der umkämpften Übergangsversorgung. Ganz im Gegensatz zu Claus Weselsky, seinem Pendant bei der Lokführer-Gewerkschaft GDL. Schulz schiebt die Vorstandskollegen Jörg Handwerg und Markus Wahl nach vorne, um Streikgründe zu erläutern und gegen den LH-Vorstand zu wettern.

Dabei ist es nicht so, dass Schulz, der seit 2001 für Lufthansa Cargo fliegt, als Präsident der Pilotengewerkschaft untätig wäre. Als er im April 2012 für drei Jahre an die Spitze der 9800 Mitglieder starken Organisation – darunter 5400 Lufthansa-Piloten – gewählt wurde, nannte er neben der Tarifpolitik die Einführung von europaweit abgestimmten Flugdienst- und Ruhezeitregelungen als eine seiner zentralen Aufgaben: „Die Sicherheit im Luftverkehr darf nicht dem Profit der Fluggesellschaften untergeordnet werden.“ Er werde alles dafür tun, dass die Flugsicherheit in Deutschland keinen Schaden nehmen werde. So sieht er es wohl auch bei der Übergangsversorgung für die Piloten, die die Lufthansa für nicht mehr finanzierbar hält und reformieren will.

Ein Dorn im Auge ist Schulz auch die Luftverkehrsteuer. Unterstützt von anderen Gewerkschaften und von Luftfahrtverbänden – und wohl auch mit Unterstützung seines Arbeitgebers – hatte VC im Bundestag eine Petition gegen die Steuer eingereicht. Vor wenigen Tagen wurde sie abgeschmettert. Schulz reagierte verärgert. Wegen der Ticketsteuer wanderten Reisende ab zu Flughäfen jenseits der Grenze, deutsche Firmen gerieten finanziell unter Druck, Arbeitsplätze würden gefährdet: „Die Luftverkehrsteuer führt zu massiven Wettbewerbsverzerrungen zulasten der deutschen Fluggesellschaften und Flughäfen, schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland und bedroht tausende Arbeitsplätze.“ Rolf Obertreis

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