• PORTRÄT JAMES JONES NEUER US-NAHOSTBEAUFRAGTER:: „Wir haben keine uniformierten Feinde mehr“

PORTRÄT JAMES JONES NEUER US-NAHOSTBEAUFRAGTER: : „Wir haben keine uniformierten Feinde mehr“

Er war noch im letzten Jahr Nato-Oberbefehlshaber. US-Außenministerin Rice hat James Jones jetzt reaktiviert.

Thomas Gack

Die US-Außenministerin hätte für die heikle Aufgabe zwischen militärischem Sachverstand, Politik und Diplomatie keinen besseren finden können. Condoleezza Rice hat gestern den ehemaligen Nato-Oberbefehlshaber James Jones, der seit Ende vergangenen Jahres pensioniert ist, als Sicherheitsbeauftragten für den Nahen Osten reaktiviert. Der US-General im Ruhestand, der in wenigen Tagen 64 Jahre alt wird, soll den Palästinensern bei der Ausarbeitung eines Sicherheitskonzepts für ihren künftigen eigenständigen Staat helfen. Doch wer diese Rolle auf unübersichtlichem, hochexplosivem Terrain übernimmt, muss mehr als militärische Kenntnisse mitbringen. Er muss viel Fingerspitzengefühl für Politik und vor allem für Kultur und Mentalität seiner Gesprächspartner besitzen.

Tatsächlich ist der 1,95 Meter große drahtige General der US-Marines, der in seiner Zeit als Nato- Oberbefehlshaber im belgischen Mons mit dem Rad zum Dienst fuhr, alles andere als ein Eisenbeißer. „James Jones ist ein Diplomat in Uniform, elegant, weltgewandt, hochintelligent und europäisch geprägt“, charakterisiert ihn ein hoher Diplomat im Brüsseler Nato- Hauptquartier.

Aufgewachsen ist der Sohn eines amerikanischen Geschäftsmanns in Paris. Danach studierte er an der Georgetown University und holte sich den diplomatischen Schliff an der School of Foreign Service. Der US-Sicherheitsexperte spricht nicht nur perfekt französisch – er versteht die Europäer besser und kann sich in andere Kulturen besser einfühlen als die meisten US-Politiker im Umfeld von George W. Bush.

Das machte ihn während der transatlantischen Krise nach dem Ausbruch des Irakkriegs zum idealen Vermittler zwischen den Europäern und seiner Regierung – zumal Jones gleichzeitig einen guten Draht zur Regierung Bush hatte. Beide Seiten vertrauten und schätzten ihn. „Er war in schwieriger Zeit und für eine schwierige Aufgabe der richtige Mann,“ meint ein deutscher Nato-Diplomat. Doch in die Zeit des Nato-Oberkommandierenden Jones fällt nicht nur die durch den Irakkrieg ausgelöste interne Krise der Allianz, sondern auch der tiefgreifende Wandel der Nato von einem Bündnis, das auf die Verteidigung Westeuropas bei einem massiven Angriff vorbereitet war, hin zu einer militärischen Allianz, deren Streitkräfte weltweit zur Krisenbewältigung eingesetzt werden können – oft genug in Bürgerkriegen, in denen klassische Armeen keine Rolle mehr spielen.

Für diese schwierige Transformation der Nato war ein General, der von den mobilen, weltweit operierenden US-Marines kommt, der richtige Mann. Auch die Erfahrungen einer Gratwanderung zwischen Militär und Politik werden ihm, so kann man hoffen, im Nahen Osten von Nutzen sein. Thomas Gack

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