PORTRÄT JAMES STAVRIDIS, NATO-OBERBEFEHLSHABER: : "Der Käpt’n riss sie alle mit"

Er ist ein geschmeidiger, anpassungsfähiger und ehrgeiziger Mann: Mit James Stavridis soll erstmals ein Admiral Oberkommandierender der Nato werden.

Christoph von Marschall
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James Stavridis -Foto: dpa

Handwerklich läuft der Regierung Obama derzeit einiges aus dem Ruder. Sie ist vollauf damit beschäftigt, die Finanzkrise in den Griff zu bekommen und die Volksseele zu besänftigen, die sich über Millionenboni an Manager von Firmen erregt, die gerade erst mit Steuermilliarden gerettet wurden. Da versäumt man dann schon mal, den Verbündeten vorab zu signalisieren, wer neuer Oberkommandierender der Nato werden soll. Die Alliierten erfuhren aus den Medien, dass Pentagonchef Robert Gates erstmals einen Admiral zum militärischen Chef machen möchte: James Stavridis. Amerika stellt traditionell den Supreme Allied Commander Europe (SACEUR), Europa den Generalsekretär als politische Nummer eins.

Theoretisch könnten die Europäer die Zustimmung verweigern, um ihr Erstaunen auszudrücken, dass sie nicht informiert wurden – und auch der US-Senat kann noch Nein sagen. Das ist aber unwahrscheinlich, wer sucht schon Streit so kurz vor dem 60. Geburtstag des Bündnisses? Die Person Stavridis ist wohl kein Stein des Anstoßes. US-Stellen lassen verbreiten, er sei gewählt worden, weil er Erfahrung mit der Verknüpfung von zivilem Aufbau und militärischem Erfolg in Südamerika gesammelt habe. Das wird jene Europäer beruhigen, die fürchten, Obama setze in Afghanistan zu sehr auf das Militär. Er will die Zahl der US-Soldaten dort, bisher 38 000 Mann, annähernd verdoppeln.

Stavridis ist ein geschmeidiger, anpassungsfähiger und ehrgeiziger Mann. Er hat vier Bücher geschrieben: drei Lehrbücher und den Memoirenband „Destroyer Captain. Lessons of a First Command“. Dem Ratgeber „Kommando auf See“, inzwischen in der fünften Auflage, hat er ein Zitat aus „Die grausame See“ von Nicholas Monsaratt vorangestellt: „Der Käpt’n riss sie alle mit. Er beschränkte sich nicht auf die Wachdienste, für die er eingeteilt war. Er gönnte sich keine Freizeit, um zu entspannen oder, wenn er denn konnte, zu schlafen. Er war stark, ruhig, klaglos und wunderbar zuverlässig. So einen Käpt’n wünscht man sich.“

Stavridis ist in Florida geboren und schloss 1976 die Navy-Akademie ab. Als Kommandeur des Zerstörers „Barry“ war er Mitte der 90er Jahre an den Operationen zur Befriedung Haitis und Bosniens beteiligt. 1998 befehligte er eine Zerstörergruppe im Persischen Golf und wurde für seinen Führungsstil ausgezeichnet. Von 2002 bis 2004 führte er die Flugzeugträgereinheit „Enterprise“ vor und während des Irakkriegs. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld diente er dann als Berater im Pentagon. 2006 wurde ihm als erstem Marineoffizier der Befehl über den Kommandobereich Süd übertragen, mit Sitz in Miami, Florida. Die Kooperation mit zivilen Partnern spielt dort eine große Rolle.

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