PORTRÄT JERRY YANG YAHOO-CHEF: : „Es ist vorbei“

Rita Neubauer

Es klang wie das Aus zwischen zwei Liebenden. Doch die Klimax wurde nie erreicht zwischen Microsoft-Chef Steve Ballmer und Yahoos CEO Jerry Yang. Vielmehr war es eher ein kurzes Aus und Vorbei, als der Software- Riese und das Internetportal am Donnerstag das Ende der Verhandlungen bekannt gaben. Der Konkurrent und geduldige Freier Google lehnte denn auch schon die ganze Zeit an der Haustür.

Ob sich Yang Google auf Gedeih und Verderb an die Brust warf und der Deal langfristig Yahoo wieder auf die Beine hilft, wird sich zeigen. Tatsache ist, dass Yang (39) stur an seiner Entscheidung vom vergangenen Jahr festhielt, als er erneut zum CEO aufstieg. Die erste Frage, die das Topmanagement an ihn stellte, nämlich, ob Yahoo unabhängig bleiben kann, beantwortete er mit einem klaren Ja.

Tatsache ist aber auch, dass Yang, der Yahoo mit seinem Studienkollegen David Filo 1995 an der Eliteuniversität Stanford gründete, mit diesem Schritt seinen Stuhl, an dem Großinvestor Carl Icahn sägt, nicht kippfester machte. Doch Yang ist bekannt für seinen unkonventionellen Stil. Er ist ein brillanter Kopf, der Konventionen wie Anzug und Krawatte ablehnt, auch schon mal den Golfabschlag bei Besprechungen übt und seine E-Mails im Jargon eines 20-Jährigen schreibt – und der seine „Yahoos“, wie er die 14 300 Mitarbeiter nennt, liebt.

Es war 1994, da veröffentlichte der gerade 25-Jährige ein Inhaltsverzeichnis für das junge Internet. Ein Online-Suchbaum war geboren. Yang und Filo revolutionierten das Internet, und im Aktienrausch der 90er Jahre kletterte die Yahoo-Aktie auf 118 Dollar. Yang wurde zum mehrfachen Milliardär und hält mit Filo noch heute rund zehn Prozent der Yahoo-Aktien.

Dass der „Chief Yahoo“ anders tickt als viele amerikanische CEOs, mag an seiner Herkunft liegen. Yang siedelte im Alter von zehn Jahren mit seiner Mutter von Taiwan ins Silicon Valley. Durch seine Herkunft ist er in einer Kultur verankert, in der Verantwortungsbewusstsein, Fleiß und Disziplin viel zählen. Doch seit seiner Rückkehr als CEO sind Analysten zunehmend ratlos über den Führungsstil Yangs, dem es um Ehre anscheinend mehr geht als um Geld. Der um jeden Preis einen Zusammenschluss mit Microsoft verhinderte und nun mit dem Google-Deal die Eigenständigkeit von Yahoo aufs Spiel setzt. Es scheint fast, als ob Yang, zusätzlich zum Golfen, eine Vorliebe für Poker entdeckt hat. Rita Neubauer

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