PORTRÄT JÜRGEN MERTENS PROTOKOLLCHEF: : „Man muss es sportlich sehen“

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Barack Obama kommt nach Berlin, und die ganze Stadt schaut zu. Nach seiner Ankunft wird der berühmteste Präsident der Welt vom Protokollchef des Auswärtigen Amts, Jürgen Christian Mertens, auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel in Empfang genommen und begrüßt. Das wird viele wundern, die denken, wenn schon mal Obama kommt und sogar mit Frau und Kindern, dann müssten doch eigentlich Bundespräsident und Kanzlerin oder doch mindestens der Außenminister mit Blaulicht zum Flughafen eilen, um den geschätzten Gast persönlich zu begrüßen.

Es hat wohl auch schon Fälle gegeben, wo der Minister oder ein Staatssekretär rausgefahren sind. Bei einer sogenannten „stillen Ankunft“, und um die handelt es sich in diesem Fall offiziell, ist es freilich durchaus üblich, dass der Protokollchef den Gast begrüßt.

Der ist durch seinen Werdegang geschult im freundlichen Smalltalk. Mertens ist 59 Jahre alt, hat Wirtschaftswissenschaften, Geschichte und politische Wissenschaften studiert. Sein erster Posten führte ihn nach Kuba, anschließend war er vier Jahre lang in Rumänien stationiert. Als Ausbilder war er unter anderem Leiter der Aus- und Fortbildung für den höheren Dienst. Beim Auswahlverfahren begrüßte er die Kandidaten mal mit der Empfehlung, „das Ganze von der sportlichen Seite aus zu sehen“. Bevor Mertens im August 2012 Protokollchef des Auswärtigen Amts wurde, war er vier Jahre Botschafter in Kolumbien. Dort zeichnete ihn Außenministerin Maria Angela Holguin letztes Jahr mit dem Großkreuz des Ordens von San Carlos aus.

Zwischen 2005 und 2008 war Mertens als Botschafter Leiter des Organisationsstabs für die deutsche EU-Präsidentschaft und für den G-8-Gipfel in Heiligendamm. Letzteres dürfte erste Anknüpfungspunkte geben, schließlich kommt Obama gerade vom Gipfel in Irland. Bereits in den 90er Jahren konnte Mertens sich aber auch schon in die deutsch-amerikanischen Beziehungen vertiefen, und zwar als Ständiger Vertreter des Generalkonsuls in Miami.

Nach dem stillen Auftakt folgt der große Pomp bei der Begrüßung durch Bundespräsident Joachim Gauck mit militärischen Ehren im Park vom Schloss Bellevue erst Mittwochfrüh. Anders als man bei dem riesigen Aufwand denken sollte, kommt Obama nicht auf Staatsbesuch. Protokollarisch ist es wirklich nur ein weniger aufwendiger offizieller Besuch. Elisabeth Binder

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