• PORTRÄT KARL-HEINZ MÜLLER CHEF DER BREAD & BUTTER:: „Ein ruinöser Wettbewerb in Berlin“

PORTRÄT KARL-HEINZ MÜLLER CHEF DER BREAD & BUTTER: : „Ein ruinöser Wettbewerb in Berlin“

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Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Karl-Heinz Müller will nicht nur vorne dabei sein, er will ganz vorneweg laufen – und zwar immer. Klar dreht sich der 58-Jährige auch mal um – aber nur, um sich zu vergewissern, dass alle ihm folgen. Seit gut zehn Jahren bestimmt Müller mit seiner „Bread & Butter“ das Modegeschehen nicht nur in Deutschland – immerhin ist seine Messe für Sports- und Urbanwear die größte der Welt.

Alles fing damit an, dass er 2001 einem Koloss in die Kniekehlen trat, der Interjeans in Köln, der Messe für eben jenen Bereich, in dem sich Müller auskannte. Viele große Marken wie Levi’s oder Replay kamen nicht mehr – zu wenig Glanz und Jugendlichkeit.

Da kam Müller gerade recht mit seiner kleinen, feinen Veranstaltung, zur der er nur einlud, wen er für cool genug hielt. Und dann ging er nach Berlin, in eine Fabrikhalle, rau und unbeheizt. Da ging den Modeleuten das Herz auf, alle wollten dabei sein: Adidas, Levi’s, Diesel. Müller gab ihnen das Gefühl, an etwas Neuem teilzuhaben. Das ist wichtig in einer Branche, in der die Vergangenheit sehr alt, also schon „Heritage“, sein muss, um wieder sexy zu werden. Deshalb gilt das, was Müller sagt, auch nur genau jetzt. Sein Mut, nicht nur jene vor den Kopf zu stoßen, die er nicht auf seiner Messe haben möchte, ist sicher eines seiner prägnantesten Merkmale.

Dass sich das Geschäft mit der Mode gewandelt hat, bekommt aber auch er zu spüren. Für große Marken mit vielen eigenen Geschäften ist eine Messe nicht mehr so wichtig. Deshalb ist es eine schlaue Idee, dass Müller nun die Messe auch für den Endverbraucher öffnet. Der ist sowieso via Internet dabei, sobald die neueste Mode irgendwo gezeigt wird. Warum soll man ihn also draußen ein Jahr auf die Kleider warten lassen, wenn man ihn genauso gut zwecks Markenbindung reinholen kann?

Müller braucht den engagierten Endverbraucher genau wie den Einzelhändler, der in seinem Geschäft neue Marken verkaufen will. Schließlich ist er selber einer. Zwei Geschäfte hat er in bester Lage, in Mitte und am Kurfürstendamm. Hier will er zeigen, wie der Modefachhandel der Zukunft geht. Aus dem Fachhandel kommt er schließlich. Mit 15 Jahren machte er eine Ausbildung in einem Feinkosthaus im saarländischen Dillingen, bevor er für Levi’s und Pepe Jeans arbeitete. Jetzt muss Müller von Berlin aus die Modewelt verändern. Dem Gerücht, dass er mit seiner Messe einen Umzug nach Istanbul plane, hat er jedenfalls eine klare Absage erteilt. Grit Thönnissen

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