Porträt Lech Kaczynski : "800 Gäste sind ziemlich viel"

Die wichtigsten Persönlichkeiten der Weltpolitik wollte der polnische Präsident Lech Kaczynski am Dienstag versammeln. Doch interessanter ist, wer nicht eingeladen wurde.

Knut Krohn

50 Staats- und Regierungschefs hatte Lech Kaczynski eingeladen, das Who is Who der Weltpolitik sollte am heutigen Dienstag den 90. Jahrestag der polnischen Unabhängigkeit begehen. Inzwischen interessieren sich alle allerdings mehr für die Frage, wer nicht ins Nationaltheater kommt – denn ein Name fehlt auf der Liste: der des Expräsidenten Lech Walesa. Nur wirklich wichtige Größen würden eingeladen, hieß es spöttisch aus dem Dunstkreis des Präsidenten, den mit Walesa eine an Hass grenzende Abneigung verbindet. So wurde die Liste zum Politikum.

Ob Lech Kaczynski allerdings wirklich damit gerechnet hatte, dass der amtierende US-Präsident George W. Bush und sein russischer Kollege Dmitri Medwedew einschweben würden? Beide hatten schon früh abgesagt. Besonders getroffen hat Kaczynski, dass weder Frankreichs Präsident noch der britische Premierminister sich die Ehre geben werden. Ausgerechnet Bundeskanzlerin Angela Merkel aber kommt aus dem ungeliebten Deutschland angereist und zeigt, wie wichtig ihr die Anliegen Polens sind. Erhält Kaczysnki aus dem alten Europa vor allem Körbe, ist das neue Europa fast vollständig vertreten. Inzwischen wiegen Kommentatoren die Gästeliste auf der politischen Goldwaage – zumal die gesamte polnische Regierungsmannschaft nicht vertreten sein wird. Einer aber sitzt zu Hause in Danzig und schweigt unüberhörbar: Lech Walesa.

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