Porträt Mahmud Abbas : "Diesen Druck hält niemand aus"

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Das Spiel kennt Mahmud Abbas eigentlich schon. Wie oft hat der palästinensische Präsident, machtlos wie er ist, unter amerikanischem Druck nachgeben und gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. Nur diesmal hat er besonders lange auf seiner Überzeugung beharrt, dass direkte Gespräche mit Israel nur Sinn haben, wenn der jüdische Staat nicht gleichzeitig weiter palästinensisches Land wegnimmt. Dies hatte US-Präsident Barack Obama bis zum Frühjahr eigentlich auch gefordert. Dann aber hat er klein beigegeben und sich mit einem begrenzten Baustopp, der nicht für Ost-Jerusalem gilt, zufrieden gegeben. Dieses israelische Moratorium läuft am 26. September aus – daher wurde es höchste Zeit für einen neuen Fototermin in Washington. Den soll es nun Anfang September geben.

„Niemand kann den Druck aushalten, dem wir ausgesetzt sind“, klagte Abbas Anfang August. Noch widersetze man sich. „Aber wenn der Druck noch stärker wird, können wir nicht standhalten.“ Das scheint nun der Fall zu sein. Es wird gemunkelt, die USA hätten damit gedroht, den Geldhahn zuzudrehen, sollten die Palästinenser sich weiterhin weigern, direkt mit den Israelis zu verhandeln.

Vergessen scheint, dass Chefunterhändler Saeb Erekat noch im Juli meinte, Abbas’ Position wäre „völlig untergraben“, würde er jetzt einlenken, ohne dass Israel seine Position verändere. Er kann sich damit trösten, dass Abbas ohnehin nur noch die Hoffnungen weniger Palästinenser verkörpert. Sein Ruf als Umfaller ist fest etabliert. Seine letzte Munition hatte er verschossen, als er im November aus Protest gegen das Einknicken Washingtons gegenüber Israel ankündigte, nicht mehr als Präsident zu kandidieren – doch dann verschob er die für Januar angesetzten Wahlen einfach und blieb im Amt.

Ebenso wenig wie Abbas glauben die meisten Palästinenser noch an eine Verhandlungslösung. Die Autonomiebehörde arbeitet daher darauf hin, 2011 einseitig einen Palästinenserstaat auszurufen, den die UN anerkennen mögen, wenn sie es ernst meinen mit der Zwei-Staaten-Lösung. Damit sollte einmal der Wille der internationalen Gemeinschaft getestet werden. Neue Gespräche, die zu nichts führen, aber als Teil eines Prozesses missinterpretiert werden könnten, würden diesen Plan gefährden. Aber Abbas hat keine Wahl. Eine minimale Hoffnung gibt es: Vielleicht trommelt Obama ja, weil er endlich einen eigenen Fahrplan ausgearbeitet hat. Andrea Nüsse

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