PORTRÄT : MARK KIRK : „Die Herrschaft nur einer Partei macht arrogant“

Der Republikaner Mark Kirk hat gute Chancen, den Demokraten einen entscheidenden Senatssitz abzunehmen

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Foto: ReutersX01561

Massachusetts soll nur der Anfang gewesen sein. Jetzt geht es um die Höhle des Löwen. Die Republikaner wollen im Herbst den Senatssitz erobern, den Barack Obama bis zu seiner Wahl zum Präsidenten innehatte. Auch in Illinois schienen die Demokraten seit Jahrzehnten ein Monopol auf die Macht zu haben. Hin und wieder gab es einen Überraschungssieg der Konservativen. In solchen Fällen kehrten die Demokraten meist nach einer Amtszeit an die Schalthebel zurück. Derzeit haben sie fast alle wichtigen Posten in Illinois inne.

Nun schickt sich Mark Steven Kirk an, die Regel ein weiteres Mal außer Kraft zu setzen. Am Dienstag hatte der 50-jährige Anwalt und Reserveoffizier die Kandidatenaufstellung der Republikaner souverän gewonnen. Seit 2001 sitzt er im Abgeordnetenhaus in Washington, vier Mal wurde er wiedergewählt. Dennoch tritt er als „Außenseiter“ auf – und hat gute Aussichten, mit dieser Strategie zu gewinnen. Sein demokratischer Konkurrent Alexi Giannoulias, der erst 33-jährige „State Treasurer“, also Finanzminister von Illinois, kann von den Lebensdaten her zwar viel eher von sich behaupten, er sei jung und nicht vorbelastet durch das politische System in Washington. Aber in den Augen vieler Amerikaner haben Illinois und speziell die größte Stadt, Chicago, kürzlich erneut ihren Ruf bestätigt, eine korrupte „political machine“ in Händen der Demokraten zu sein: Gouverneur Rod Blagojevich wurde im Winter 2008/09 angeklagt, weil er versucht haben soll, politische Posten meistbietend zu verkaufen. Auch Roland Burris, den Blagojevich für das verbleibende Jahr von Obamas Senatsmandat ernannte, geriet in diesen Strudel. Er versprach, bei der Wahl im Herbst nicht anzutreten.

„Die Bürger von Illinois haben gesehen, dass Ein-Parteien-Herrschaft arrogant macht“, sagte Kirk in seiner Siegesrede. „Eine Partei hat nicht alle Antworten, eine Partei darf nicht alle Ämter innehaben.“ Er verbindet den Ruf, ein moderater Pragmatiker zu sein, mit einer gewissen Weltläufigkeit. Das Geschichtsstudium führte ihn nach Mexiko. Wirtschaft studierte er an der London School of Economics und Jura an der Georgetown University in Washington. Regelmäßig leistet er Militärdienst, was viele Amerikaner als ultimativen Beleg für Patriotismus und Selbstlosigkeit betrachten. Kürzlich kam er vom zweiten Einsatz in Afghanistan zurück. Zuvor diente er in Haiti, Bosnien und dem Kosovo. Christoph von Marschall

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