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Porträt : „Meine einzige Sorge ist unser Erfolg“

04.01.2013 15:02 Uhrvon
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Foto: AFP - Foto: AFP

Er ist überall. Wo immer es sein muss und wann immer es nötig ist, erscheint Manuel Valls auf der Bildfläche. Und der linke französische Innenminister hat mit Nicolas Sarkozy nicht nur die Hyperaktivität gemeinsam.

Er ist überall. Wo immer es sein muss und wann immer es nötig ist, erscheint Manuel Valls auf der Bildfläche. Nach den Schießereien rivalisierender Drogenbanden reiste er sofort nach Marseille, um als französischer Innenminister Flagge zu zeigen. Auf Korsika demonstrierte er nach der jüngsten Serie von Morden im halb separatistischen, halb mafiösen Milieu allein schon durch seine Anwesenheit staatliche Autorität.

Als „erster Flic“ Frankreichs, wie ihn die Medien gerne nennen, geht er in die Vorstädte, um den Beamten vor Ort den Rücken zu stärken, wenn es wieder einmal zu Tumulten mit randalierenden Jugendlichen kommt. Er selbst nimmt bei Trauerfeiern für im Dienst umgekommene Polizisten oder Feuerwehrleute die Ehrung vor.

Und auch in der Silvesternacht war er unterwegs, als Autos abgefackelt wurden. 1193 Fahrzeuge waren es in der Nacht zum 1. Januar 2013, hundert mehr als 2009. Seitdem hatte der frühere Präsident Nicolas Sarkozy darüber keine Zahlen mehr veröffentlichen lassen, um nicht zur Nachahmung einzuladen. Valls sieht das anders. Er glaubt, dem Übel besser durch Transparenz beizukommen.

Ansonsten hat der linke Innenminister mit dem Konservativen Sarkozy, der vor seiner Zeit als Präsident ebenfalls Innenminister war, manches gemeinsam. Sarkozy verpassten die Medien den Spitznamen „Omnipräsident“, ihn titulieren sie als „omnipräsent“. Valls, den Sarkozy 2007 vergeblich für seine Regierung zu gewinnen versucht hatte, hört das vermutlich nicht gerne. In der Regierung des Premierministers Jean-Marc Ayrault ist er zwar der rechte Flügelmann; er vertritt eine Politik, die strikt auf Sicherheit und Ordnung gerichtet ist. Bei oberflächlichem Hinsehen nimmt sich diese auch wie eine Kopie der Politik der vorigen Regierung aus. Doch die Sarkozy-Strategie hält er wegen ihres aufgeregten Herumflatterns nach jedem neuen Verbrechen für gescheitert. Neulich löste er einen Aufruhr der rechten Opposition im Parlament aus, als er ihr vorwarf, durch ihre Inkonsequenz für das Wiederaufkommen des Terrorismus verantwortlich zu sein.

Während die Regierung Ayrault in Umfragen schlecht abschneidet, erfreut sich Valls, der spanischer Abstammung ist, bei den Franzosen großer Popularität. Manche sehen in ihm schon einen künftigen Regierungschef. Ehrgeizig ist er auf jeden Fall. Doch er gibt sich loyal und wehrt ab: „Meine einzige Sorge ist unser Erfolg.“

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