PORTRÄT PAUL VOLCKER OBAMAS FINANZBERATER: : "Den Markttest nicht bestanden"

Er hatte immer eine klare Vorstellung, drehte sich nie mit dem Wind und am Ende setzt er sich gegen alle Widerstände durch. Paul Volcker ist der Mann hinter Obamas neuen Bankenplänen.

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Der ehemalige Notenbankchef hat im Alter von 82 Jahren nahezu Unmögliches fertiggebracht. Er hat den US-Präsidenten und seinen bankenfreundlichen Finanzminister Timothy Geithner davon überzeugt, dass sie die Großbanken zerschlagen müssen, wenn sie den Kapitalismus retten wollen. Volcker will die Investmentsparte von der klassischen Kreditsparte trennen, mithin den spekulativen Eigenhandel der Banken verbieten. Den hält er für eine der wesentlichen Ursachen der Finanzkrise.

Seine Gegner weisen darauf hin, dass die Immobilienkrise die Ursache war – aber das ist eine Nebelkerze. Es war die Erfindung komplizierter Finanzkonstruktionen durch die Wall-Street-Banken sowie die massive Spekulation der Banken mit diesen Risikopapieren, die aus der Immobilienkrise eine monströse Krise des gesamten Finanzsektors machte. Volcker sagt: „Das glänzende neue Finanzsystem mit all seinen brillanten Akteuren und seinen großen Vergütungen hat den Markttest nicht bestanden.“ Die moderne Finanzwelt werfe zwar riesige Gewinne ab, sie habe aber nie den Beweis erbracht, der Volkswirtschaft und der Gesellschaft genützt zu haben. Damit spielt er auf einen Mechanismus an: Wenn die Banken mit ihrem Insiderwissen und ihren mechanischen Handelssystemen aus den Märkten spekulative Gewinne ziehen, nehmen sie das Geld anderen Anlegern ab, die diese Mittel nicht haben. Diese Anleger, die bei dem Spiel verlieren, sind gleichzeitig die Bankkunden, die nichtsahnend die Produkte ihrer Banken kaufen.

Die neue Linie wurde von Kritikern als populistische Reaktion Obamas auf seine Probleme bezeichnet. Das ist zwar richtig, verharmlost aber das, was auf die Welt zukommen könnte. Volcker war Notenbankchef unter den Präsidenten Carter und Reagan. Er hat damals die Inflation mit einem Leitzins von 17 (!) Prozent bekämpft und eine Rezession riskiert. Dann machte Reagan Alan Greenspan zum Fed-Chef, der das Gegenteil tat und die Geldschleusen öffnete – wie Ben Bernanke in der Finanzkrise. Wenn sich Volcker durchsetzen sollte, könnte das große Gelddrucken bald zu Ende sein: Die USA bekämen ein belastbares Bankensystem und eine seriöse Stabilitätspolitik. Was dann mit der Konjunktur passiert, steht auf einem anderen Blatt. 

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