PORTRÄT PHILIP RIZK STUDENT IN ÄGYPTEN: : „Ich lasse mich nicht einschüchtern“

Tag und Nacht in Handschellen, die Augen stets verbunden, rund um die Uhr von Unbekannten verhört und eingesperrt in einer 2,0 mal 1,5 Meter kleinen Zelle. Die Erfahrungen des Studenten Philip Rizk im Gefängnis des Kairoer Inlandsgeheimdienstes stehen für tausende Fälle in diesem Land – nur, dass den meisten Verhafteten wesentlich übler mitgespielt wird als dem 27-jährigen Deutsch-Ägypter.

Martin Gehlen
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Foto: Katharina Eglau

Im Verhörzimmer seien Schreie von Gefolterten zu hören gewesen, berichtete Rizk bei einer Pressekonferenz in seiner Wohnung im Vorort Maadi. „Du bist doch ein kultivierter Mensch, das wird auch dir passieren, wenn du die Art deiner Aussagen nicht änderst“, hätten die Vernehmer zu ihm gesagt, die er wegen der Augenbinde nie habe sehen können. Sie hätten ihn beleidigt und bedroht, aber nicht geschlagen. Ihre Marathonverhöre eröffneten sie mit dem Satz: „Alles, was in deinem Kopf drin ist, werden wir jetzt herausholen.“

Bis zu seiner überraschenden Freilassung in der Nacht zu Donnerstag hatte seine Familie keinerlei Informationen darüber, wo Philip Rizk festgehalten und warum er verhaftet worden war. „Sie warfen mir vor, ein Spion Israels zu sein, dann wieder, ein Waffenschmuggler für die Hamas“, berichtete der Verschleppte. Willkür dieser Art ist in Ägypten an der Tagesordnung. Bis heute gilt der Ausnahmezustand, der nach der Ermordung von Präsident Anwar Sadat 1981 verhängt wurde. Nach offiziellen Angaben halten die Sicherheitsdienste 1800 politische Gefangene ohne Anklage fest. Menschenrechtsorganisationen jedoch gehen von mindestens 10.000 aus.

Rizk stammt aus einer deutsch- ägyptischen Familie. Er hat zwei Jahre im Gazastreifen für eine christliche Nichtregierungsorganisation gearbeitet und versucht seither, „mehr Aufmerksamkeit zu wecken für die humanitäre Lage dort“. Sein Vater ist Ägypter, seine Mutter Deutsche. Sohn Philip wurde auf Zypern geboren, wuchs zusammen mit seinen beiden Schwestern in Kairo auf und machte an der Deutschen Evangelischen Oberschule sein Abitur. Anschließend studierte er am Wheaton College in den USA, das den evangelikalen Christen nahesteht. An der American University schreibt er inzwischen im Fach Middle East Studies seine Magisterarbeit über Gaza. „Wenn du weitermachst auf diesem Weg, wirst du uns hier noch öfter besuchen müssen“, hätten ihm die Geheimpolizisten am Ende gesagt, berichtete Rizk. „Doch ich lasse mich nicht einschüchtern.“ Martin Gehlen

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