Porträt PKK-Chef : „Auch ich kann getötet werden“

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Er ist seit der Inhaftierung von PKK-Chef Abdullah Öcalan 1999 der amtierende Chef der Kurdenrebellen: Murat Karayilan, 57 Jahre alt, dirigiert die Rebellen von einem Versteck in den irakischen Kandil-Bergen aus, 100 Kilometer südlich der Türkei. Nun ist er nach Angaben der türkischen Regierung verschwunden. Seit Beginn der türkischen Luftangriffe auf Kandil vorige Woche gebe es keine neuen Bilder oder Tonaufnahmen von Karayilan, sagte Vizepremier Bülent Arinc.

Bei den Luftangriffen der türkischen Armee auf die PKK im Norden des Irak wurden nach Angaben der Armee bisher 90 bis 100 Kurdenrebellen getötet. Die PKK weist die Angaben zurück und wirft den Türken vor, Zivilisten getötet zu haben. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben beider Seiten nicht – im Kurdenkonflikt wird mindestens ebenso heftig mit Propaganda gekämpft wie mit Waffen.

Das zeigte sich auch, als der staatliche türkische Fernsehsender TRT vergangene Woche die Festnahme von Karayilan durch den Iran meldete; Teheran geht derzeit militärisch gegen die PJAK vor, den iranischen PKK-Ableger. Im Zuge der Operationen hätten die Iraner die „Nummer zwei“ der PKK festgenommen, berichtete TRT unter Berufung auf iranische Politiker. Die PKK dementierte, und andere türkische Medien kamen zu dem Schluss, dass in Teheran offenbar eine Verwechslung vorlag.

Doch nicht nur in der Frage seines Verbleibs gibt Karayilan Rätsel auf. Nach dem jüngsten PKK-Anschlag, bei dem neun türkische Soldaten starben und der die Luftschläge auf Kandil auslöste, wurde in der Türkei über die Rolle des PKK-Kommandeurs diskutiert. Hatte er den Angriff persönlich angeordnet? Oder steckte eher der Hardliner Cemil Bayik dahinter, dem Karayilan angeblich nicht brutal genug ist? Nicht einmal einer Ameise könne der Murat etwas antun, sagten Karayilans Verwandte im südostanatolischen Dorf Konak türkischen Zeitungsreportern.

Dass Karayilan wirklich ein solcher Engel ist, würden nur wenige in der Türkei bestätigen wollen. Auch Karayilan selbst gab sich stets als unversöhnlicher Gegner Ankaras – mit allen Konsequenzen. „Auch Mitglieder der Führung dieser Bewegung wie ich selbst und meine Kollegen könnten im Zuge unseres Kampfes getötet werden“, erklärte Karayilan laut pro-kurdischen Medien vorige Woche. Seitdem hat er sich nicht mehr geäußert. Thomas Seibert

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