PORTRÄT PRINZ WALID BIN TALAL TWITTER-INVESTOR: : „Heraus aus Stagnation und Armut“

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Er gilt als der reichste Saudi auf Erden. Die Forbes-Liste 2011 schätzt sein Vermögen auf 15 Milliarden Euro. Prinz Walid bin Talal ist einer von mehreren hundert Enkeln des saudischen Staatsgründers König Abdul Aziz Ibn Saud, der 1953 starb. Zwei Jahre später kam der heutige Großunternehmer in Dschidda zur Welt. In Kalifornien studierte er Wirtschaftswissenschaften. In den neunziger Jahren legte er mit einer Beteiligung an der Citi-Bank das Fundament für sein Wirtschaftsimperium. Investitionen bei Apple, AOL, Motorola sowie in der Medien- und Hotelbranche folgten. Ihm gehört unter anderem das Plaza Hotel in New York. Im nächsten Jahr soll ein neuer Fernsehkanal entstehen, um „Al Jazeera“ und „Al-Arabiya“ im Nahen Osten Konkurrenz zu machen. Seine Holding ist bereits an zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften beteiligt. Als Privatjet besitzt er eine Boing 747, für 2012 hat er sich zusätzlich einen Airbus A380 bestellt.

Wenn er nicht unterwegs ist, residiert der 56-Jährige in Riyadh im „Kingdom-Tower“, einem 1000 Meter hohen Wolkenkratzer. Dort gab am Montag die von ihm gegründete „Kingdom Holding Company“ bekannt, sie werde 300 Millionen Dollar in die Mikroblogging-Plattform Twitter investieren. Die „weltweite Bedeutung“ dieses Mediums reize ihn, ließ der saudische Erfolgsmann wissen. Twitter und Facebook hatten Anteil am Sieg der arabischen Revolutionen, auch in Saudi-Arabien gehört twittern inzwischen für Millionen junger Menschen zum Alltag.

Negative Schlagzeilen machte der Prinz im September, als eine spanische Untersuchungsrichterin Ermittlungen gegen ihn wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung wieder aufnahm. Bin Walid antwortete mit einer 24-seitigen Dokumentation, die belegen soll, dass er zum fraglichen Zeitpunkt im August 2008 weder in Spanien noch auf seiner Yacht vor Ibiza war.

In der Politik seines Landes spielt der Prinz keine einflussreiche Rolle. Seine weltoffenen Ansichten äußert er lediglich in Vorträgen, Interviews oder Zeitungskolumnen. „Soziale und politische Veränderungen sind immer turbulent, schmerzhaft und unvorhersehbar“, schrieb er jüngst in einem Beitrag zum Arabischen Frühling in der „New York Times“. Die arabische Welt aber habe eine Fülle von Talenten und Ressourcen. Halte sie an Reformen fest, werde sie sich in einigen Jahrzehnten „herauskatapultieren aus Unterentwicklung, Stagnation und Armut“. Martin Gehlen

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