• PORTRÄT REGULA LÜSCHER GMÜR SENATSBAUDIREKTORIN:: "Die Stadt hat viele Brüche, das gefällt mir"

PORTRÄT REGULA LÜSCHER GMÜR SENATSBAUDIREKTORIN: : "Die Stadt hat viele Brüche, das gefällt mir"

Mit ihrer kritischen Ansicht zum Neubau der US-Botschaft am Pariser Platz hat sich Regula Lüscher auf heikles Terrain begeben. Sofort hagelte es Proteste; nicht so sehr gegen den Inhalt ihrer Äußerungen, wohl aber zum Zeitpunkt.

Bernhard Schulz

Der Vorgang illustriert die große Schwäche der Senatsbaudirektorin, die, obgleich bereits knapp anderthalb Jahre im Amt, immer noch als „die Neue“ betrachtet wird. Sie ist nicht wirklich politisch. Sie verkörpert in jeder Hinsicht den Gegenpol zu ihrem Vorgänger Hans Stimmann, der, in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat, mit seiner Partei umzugehen wusste. Regula Lüscher Gmür, wie die 46-jährige gebürtige Baslerin mit vollem Namen heißt, fehlt solche politische Einbindung. Sie kam als Fachfrau von Zürich nach Berlin, gelockt von Ingeborg Junge-Reyer, als Stadtentwicklungssenatorin ihre Vorgesetzte.

In Zürich hat Regula Lüscher in einem Umfeld gearbeitet, das vom schweizerischen Konsensdenken geprägt ist. Ihre Lieblingsworte zum Amtsantritt lauteten „offen“ und „unvoreingenommen“, und Begriffe wie „kooperative und diskursive Prozesssteuerung“ stehen ihr aus ihrer knapp zehnjährigen Tätigkeit im Amt für Städtebau, seit 2001 als dessen stellvertretender Direktorin, allemal zu Gebote.

Ihre Berufung nach Berlin wurde denn auch als Signal verstanden, nach Stimmanns rigidem Regiment zu pluralistischen Einzelfallentscheidungen zu finden. Stimmanns Vermächtnis, das „Planwerk Innenstadt“, stufte die studierte und ein Jahrzehnt lang in ihrem Beruf tätige Architektin sogleich „als städtebauliches Konzept und nicht als einen fertigen Entwurf“ herunter. Architektur und Städtebau behandelt sie nicht als Glaubensfragen; so meidet sie nach Möglichkeit Aussagen zum Wiederaufbau des Schlosses. Dass ihr Herz gleichwohl für neue Architektur schlägt, kann man aus ihren gern in Fachvokabular gehaltenen Äußerungen – und aus ihren Berufungen in Jurys – herauslesen. Insofern sind die unvermittelten Worte zu US-Botschaft eine Überraschung – vor allem wegen des mangelnden Gespürs, sich unmittelbar vor deren Eröffnung solche Töne entlocken zu lassen. Ihr politisches Standing hat sie damit nicht gestärkt. Sie ist die Expertin. Politik machen andere. Bernhard Schulz

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