PORTRÄT RONALD S. LAUDER WJC-PRÄSIDENT: : „Die jüdische Welt wieder aufbauen“

Elisabeth Binder

Mitte der 80er Jahre war der amerikanische Unternehmer Ronald S. Lauder als US-Botschafter in Österreich tätig. Diese Zeit sollte sein Leben für immer ändern und ist wohl auch ausschlaggebend dafür, dass er jetzt zum Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses (WJC) gewählt wurde. Denn erst in Wien wurde sich der Sohn der amerikanischen Kosmetikgigantin Estée Lauder seiner jüdischen Identität so richtig bewusst. Bei einer Diskussion, sei immer die Rede von „den Juden“ gewesen, nicht „den Amerikanern“ oder „den Unternehmern“, erzählte er später. In Ungarn, dem Land seiner Vorfahren, besuchte er eine Synagoge, in der nur noch wenige Menschen ihre Gebete sprachen. Das war ein Schlüsselerlebnis. Plötzlich besann sich der gebürtige New Yorker, der bis dahin kein besonders frommer Mensch war, auf seine jüdischen Wurzeln. Er erinnerte sich, wie er als 16-jähriger Gastschüler am Gymnasium in Bad Reichenhall mit seiner Klasse Dachau besucht hat und die Mitschüler das Konzentrationslager anstarrten wie ein Ausstellungsstück aus der Antike.

Er wollte sich engagieren, war überzeugt, „dass man Adolf Hitler, der versucht hat, tausend Jahre jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa zu vernichten, einen nachträglichen Sieg unbedingt versagen“ müsse. Bereits 1987 gründete er die Ronald S. Lauder Foundation mit dem Ziel, Juden aus Osteuropa die Chance zu geben, ihre kulturellen Wurzeln kennenzulernen.

Auch in Berlin engagierte er sich. Er gewann den früheren US-Diplomaten Joel Levy, für seine Stiftung ein „Lauder Jüdisches Lehrhaus“ aufzubauen. Gleich neben der Synagoge in der Rykestraße lernen Juden aus Osteuropa ihre kulturellen Traditionen kennen, um sie später weiterzugeben und wieder fest in der deutschen Gesellschaft zu verankern. „Zusammen werden wir die jüdische Welt wiederaufbauen“, sagte Lauder bei der Eröffnung im Oktober 1999. „Manche nennen das ein Wunder. Wir nennen es die Zukunft.“

Seitdem gibt es viele Bezugspunkte. Letztes Jahr kaufte seine mit einem Partner in New York gegründete „Neue Galerie“ für 38 Millionen Dollar das Kirchner-Bild „Berliner Straßenszene“, das im Brücke-Museum gehangen hatte, vom Senat aber an die Witwe des jüdischen Sammlers Alfred Hess zurückgegeben worden war. Jetzt signalisierte ein Sprecher des Unternehmers, dass Lauder bereit sei, mit Berlin über eine Leihgabe zu verhandeln. Elisabeth Binder

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