• PORTRÄT RÜDIGER SACHAU LEITER EVANGELISCHE AKADEMIE: „Wenn man nur Intellektueller ist, fehlt etwas“

Meinung : PORTRÄT RÜDIGER SACHAU LEITER EVANGELISCHE AKADEMIE: „Wenn man nur Intellektueller ist, fehlt etwas“

Claudia Keller

Büchermenschen sagt man nach, dass ihre zwei linken Hände gerade mal dazu taugen, ein Buch zu halten. Rüdiger Sachau, der niedersächsische Pastor und Öffentlichkeitschef der Nordelbischen Landeskirche, schlägt da aus der Art. Er kann nicht nur Nägel in die Wand schlagen und den kaputten Zug einer Kirchenglocke ausbessern, sondern auch Autos reparieren. Der 49-Jährige mit der randlosen Intellektuellenbrille auf der Nase ist gelernter Kfz-Mechaniker und wollte eigentlich immer als Missionar nach Afrika. Nun kommt er nach Berlin und übernimmt Mitte Februar die Leitung der Evangelischen Akademie am Gendarmenmarkt. Pastoren und überhaupt Intellektuelle, die ihr ganzes Wissen nur aus Büchern ziehen, sind Rüdiger Sachau suspekt. So wollte er nicht sein. Er wollte auch mit ganz normalen Menschen ganz normal umgehen können und was „Anständiges“ lernen.

Das heißt nicht, dass Sachau keine intellektuelle Kompetenz hätte. Im Gegenteil: Nach dem Theologiestudium hat er sich als Studienleiter an der Evangelischen Akademie Nordelbien einen Ruf als Experte für den Dialog mit anderen Religionen und für Medizinethik erworben. Aber darüber hinaus kann Sachau etwas, was leider auch unter Pastoren nicht selbstverständlich ist: Er kann auf Menschen zugehen – und nicht nur auf die, von denen er weiß, dass sie sowieso seiner Meinung sind. „Weil ich eine klare, evangelische Position habe, kann ich anderen gut zuhören“, sagt er. Zum Beispiel denen, die an eine Wiedergeburt glauben und die er für seine Doktorarbeit „Warum glauben Menschen bei uns im Westen an Wiedergeburt?“ befragt hat. Und überhaupt: Wer sich so ein Thema für die theologische Promotion wählt, sitzt nicht in den luftigen Stuben des akademischen Elfenbeinturms.

Als Chef für Öffentlichkeitsarbeit der Nordelbischen Kirche hat sich Sachau immer wieder überlegt, wie er nicht nur die eigene Klientel, sondern auch den Rest ansprechen kann. So ließ er am Reformationstag vergangenes Jahr „Lutherbonbons“ verteilen. Dass Hamburger Kinder den hehren Reformator mit zitronigem Lutschzeug assozieren könnten, gefiel nicht allen evangelischen Kirchgängern.

Die Berliner Akademie will Sachau näher an die Schnittstelle zur Politik heranrücken, die evangelische Position in den politischen Debatten „zum Leuchten bringen“. Eine ordentliche Prise Provokation würde da gar nicht schaden.

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