Porträt : „Sie können uns nicht terrorisieren“

Ahmed Türk ist so etwas wie der große alte Mann der legalen Kurdenbewegung, ein gemäßigter und weitsichtiger Mittler. Nun wurde er verprügelt - von der türkischen Polizei.

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Ahmed Türk gilt als besonnen. Der 69-jährige Kurde sitzt als unabhängiger Abgeordneter im türkischen Parlament.
Ahmed Türk gilt als besonnen. Der 69-jährige Kurde sitzt als unabhängiger Abgeordneter im türkischen Parlament.Foto: AFP

Ausgerechnet Ahmet Türk. Ausgerechnet ein weitsichtiger und gemäßigter Kurdenpolitiker wird von der türkischen Polizei verprügelt. Bei Unruhen während Kundgebungen zum kurdischen Neujahrsfest wurde Türk am Dienstag im südostanatolischen Batman von Polizisten geohrfeigt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der herzkranke 69-Jährige musste ins Krankenhaus, Fotos zeigten ihn später mit einem geschwollenen Auge. „Wenn die denken sollten, dass sie uns terrorisieren können: Sie werden es nicht schaffen, uns zu terrorisieren“, sagte Türk. Ein Mann des Ausgleichs wie er hat es schwer in einem Konflikt, in dem die Hardliner triumphieren.

Schläge sind für Türk nichts Neues. Der Chef des großen kurdischen Kanco-Clans wurde wie viele andere Kurden nach dem Militärputsch von 1980 von der Armee inhaftiert und gefoltert. Auch in der jüngeren Vergangenheit wurde er zum Opfer von Gewalt. Vor zwei Jahren wurde Türk vor laufenden Kameras von einem türkischen Rechtsnationalisten verprügelt.

Dabei sollte die Türkei eigentlich stolz sein auf einen Kurdenvertreter wie ihn. Nach den Parlamentswahlen von 2007 führte Türk die erste kurdische Parlamentsfraktion in der Geschichte des Landes und sorgte mit einer Geste der Versöhnung für Aufmerksamkeit: Im Plenum reichte er dem Chef der türkischen Rechtsnationalisten, Devlet Bahceli, freundschaftlich die Hand.

Jedem in Ankara ist klar, dass sich legale Kurdenparteien und selbst ein Mann wie Türk nicht völlig frei machen können vom Einfluss der Rebellengruppe PKK, die viele kurdische Dissidenten getötet hat. Doch Türk sucht nach Kompromissen im Kurdenkonflikt, der seit 1984 Zehntausende Menschen das Leben gekostet hat. Gedankt wurde es ihm nicht. Die von ihm geführte Kurdenpartei DTP wurde 2009 wegen PKK-Nähe verboten, Türk verlor sein Mandat. Heute sitzt er als parteiloser Abgeordneter im Parlament, führt die kurdische Dachorganisation DTK und ist so etwas der große alte Mann der legalen Kurdenbewegung in der Türkei.

Nach den Faustschlägen in Batman eilte die junge Garde der Kurdenpolitiker ins Krankenhaus. Parlamentspräsident Cemil Cicek wünschte baldige Genesung, eine Untersuchung wurde eingeleitet. Der Gouverneur von Batman aber erklärte, in den Aufzeichnungen der sieben Polizeikameras gebe es keinen Hinweis auf Polizei-Prügel für Türk.

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