Porträt Susanne Gaschke : „Man muss sich nicht alles gefallen lassen“

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Die Dynamik im Fall des umstrittenen Gewerbesteuererlasses durch die Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke ist atemberaubend. Gegen die 46-Jährige laufen wegen eines sogenannten Steuerdeals mit einem renommierten Augenarzt inzwischen juristische und disziplinarrechtliche Untersuchungen. Viele in Kiel fragen sich jetzt, ob Altkanzler Helmut Schmidt mit seiner Wahlempfehlung im vergangenen Jahr tatsächlich richtig lag. Damals warb er für Gaschke mit dem Satz: „Die ,Zeit‘ verliert mit ihr eine tüchtige Mitarbeiterin, aber Kiel gewinnt eine fähige Oberbürgermeisterin!“ Schon damals aber hatte es Zweifel an der Kompetenz der Seiteneinsteigerin gegeben, die mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels verheiratet ist. Parteiintern bekam sie in einer Stichwahl mit einer Konkurrentin nur hauchdünn den Vorzug.

Ihren ersten verbalen Fehltritt leistete sich Gaschke dann im April bei der Maritimen Konferenz in Kiel gegenüber Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, als sie zwar das Wohl des Nord-Ostsee-Kanals im Kopf hatte, sich allerdings in Wortwahl und Tonfall vergriff. Ramsauer empfand dies als Affront, wollte abreisen und konnte nur mit Mühe durch Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) davon abgehalten werden.

Beobachter attestieren der früheren Asta-Vorsitzenden an der Kieler Uni ein beizeiten provokantes Mundwerk und ein garstiges Verhalten. Albig nennt sein Verhältnis zu Gaschke dem gemeinsamen Parteibuch entsprechend kollegial, aber wahrlich nicht freundschaftlich. Zu Beginn der Steuerkontroverse hatte Gaschke mit einem tränenreichen Auftritt im Kieler Rat Kritik der Opposition als beinahe majestätsverletzend abgetan, inzwischen lobt sie das Verhalten ihrer politischen Gegner und will sich bei diesen entschuldigen.

Gaschke verweist nach wie vor darauf, dass ihre Amtsvorgänger, darunter der frühere Oberbürgermeister Albig, den delikaten wie komplexen Steuerfall bereits auf dem Tisch hatten und sie ihn bloß abgeschlossen habe. Albig reagierte scharf: Sie habe sich als Bürgermeisterin doch bitte vollends zu ihrer Entscheidung zu bekennen und nicht hinter ihren Vorgängern zu verstecken. Gaschke gab inzwischen als Fehler zu, die Ratspolitiker nicht beteiligt zu haben, eine Entschuldigung Albigs gegenüber, dem sie Einflussnahme ins kommunale Prüfverfahren vorhält, lehnt sie jedoch ab. Nun liegt ein Abwahlantrag gegen sie auf dem Tisch. Dieter Hanisch

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