• PORTRÄT URSULA VON DER LEYEN FAMILIENMINISTERIN:: „Betrunkene Väter finde ich schrecklich“

PORTRÄT URSULA VON DER LEYEN FAMILIENMINISTERIN: : „Betrunkene Väter finde ich schrecklich“

Hans Monath

Rechtzeitig vor Christi Himmelfahrt hat sich Ursula von der Leyen mit einem aktuellen Ratschlag zu Wort gemeldet, der ihre Kritiker in ihrem Misstrauen gegen die Bundesfamilienministerin wieder einmal bestätigen dürfte. Väter sollten den Vatertag nicht mit einem Besäufnis begehen, mahnte die CDU-Politikerin. „Das finde ich schrecklich“, empörte sich die Mutter von sieben Kindern in der „Bunten“ und bestätigte damit das verbreitete Bild, wonach sie als Ministerin vor allem ihre eigene Welt, nämlich die der gehobenen bürgerlichen Familie, im Blick hat und deren Regeln auf andere überträgt.

Tatsächlich fällt die 49-jährige promovierte Medizinerin in der nivellierten Mittelstandsgesellschaft des deutschen Politikbetriebes dadurch auf, dass sie bürgerliche Werte wie Bildung und Leistungsbereitschaft offen vorlebt und auch gerne predigt. Fast unzeitgemäß wirkt es etwa, was sie bei einem öffentlichen Auftritt bekannte: Sie habe sich einmal dabei ertappt, wie sie nach einem langen Tag vor dem Fernseher habe „abhängen“ wollen, sich aber dann doch noch zusammengenommen, um ihren Kindern kein schlechtes Vorbild zu geben. Wer das Wirken der Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht aber auf das einer Standesvertreterin reduziert, verkennt ihre politische Leistung.

Entscheidend hat sie dazu beigetragen, das familienpolitische Entwicklungsland Deutschland von lähmenden Traditionen zu befreien und zu anderen modernen Länder aufschließen zu lassen, die jungen Menschen die Familiengründung leichter machen. Zwar hatte mit ihrer Vorgängerin Renate Schmidt eine Sozialdemokratin die entscheidende Vorarbeit geleistet. Doch nur weil eine CDU-Politikerin für ein modernes Familienbild warb, akzeptierte nach langem Widerstand auch die Union Neuerungen wie das Elterngeld und den Krippenausbau.

Nach anfänglichen Pannen agiert die Niedersächsin heute geschickter im politischen Betrieb. Das nun verabschiedete Gesetz zum Ausbau der Kita-Plätze hatte sie klug vorbereitet. Fast automatisch stellt sich da die Frage nach höheren Ambitionen. Lange wies von der Leyen die mit dem Hinweis auf ihre eigenen Kinder kategorisch von sich. Mittlerweile antwortet sie vorsichtiger: Die Frage stelle sich momentan nicht. Womöglich stellt sie sich dann, wenn in Niedersachsen die Kandidatenlisten für den Bundestag aufgestellt werden.Hans Monath

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