Porträt : „Waffenbesitzer haben die Moral auf ihrer Seite“

Die US-Waffenlobby hat einen neuen Vorsitzenden gewählt. Der ist ein Scharfmacher - und trägt eine persönliche Fehde mit Barack Obama aus.

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Schon seit Vater leitete einst die NRA: Jim Porter
Schon seit Vater leitete einst die NRA: Jim PorterFoto: Reuters

Die National Rifle Association (NRA) gilt als die mächtigste Lobby in den USA. Wie weit ihre Macht reicht, hat sie im April bewiesen. Trotz des allgemeinen Entsetzens über das Massaker an 20 Erstklässlern in Connecticut im Dezember verhinderte eine republikanische Sperrminorität im Senat mit 46 von 100 Stimmen eine schärfere Waffenkontrolle. Im Zentrum stand ein Vorschlag, den laut Umfragen 90 Prozent der Amerikaner mittragen: Bei jedem Waffenkauf, ob in einem Geschäft oder von privat, soll ein „Backgroundcheck“ zur Person des Käufers beim FBI erfolgen.

Am Wochenende feierten die Waffenfreunde die gelungene Abwehr beim NRA-Kongress in Texas als großen Sieg. „Es geht nicht nur um Waffenrechte. Ihr bildet die Frontlinie in einem Kulturkampf“, lobte Jim Porter, der heute neuer Vorsitzender wird. „Ich seid Freiheitskämpfer. Wir sind eure Beschützer.“ Die Waffenfrage spaltet Amerika. In Städten geben Waffengegner den Ton an, in ländlichen Gebieten Waffenfreunde.

Mit dem Wechsel an der Spitze verschärft sich die Rhetorik der NRA. Der bisherige Vorsitzende David Keene trat als seriöser Jurist mit Intellektuellenbrille auf. Das Poltern überließ er Geschäftsführer Wayne LaPierre. Politisch geprägt wurde Keene im nördlichen Farmstaat Wisconsin. Jim Porter, bisher erster Vizepräsident, ist ein Südstaatler aus Alabama. Schon sein Vater war NRA-Vorsitzender, von 1959 bis 1961. Damals war die NRA noch ein Verein von Jägern und Sportschützen, heute ist sie ein politischer Kampfverband.

Porter betrachtet seinen Kampf auch als persönliche Fehde mit Barack Obama. Beim Kongress ließ er sich als „der geeignete Gegenspieler“ vorstellen. Obama sei ein „Fake President“, das Produkt von Täuschung und Betrug. Den Konflikt um das Waffenrecht lädt Porter mit Bürgerkriegsanalogien auf. Der war für ihn ein „Angriffskrieg“ auf die Lebensweise der Südstaaten. Auch heute solle jeder Bürger eine Waffe besitzen und das Schießen bei der NRA trainieren, um sich gegen Übergriffe des Staats verteidigen zu können. Obamas wahres Ziel sei nicht Waffenkontrolle. Er wolle den Bürgern ihre Waffen wegnehmen. Das verstoße gegen die Verfassung und sei zum Scheitern verurteilt. Der Vorstoß habe der NRA neue Mitglieder beschert. Es seien jetzt mehr als fünf Millionen. Porter möchte den Einfluss nutzen, damit die Republikaner 2014 die Kongresswahl und 2016 die Präsidentenwahl gewinnen.

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