PORTRÄT : Willy Bogner: „Das ist mein größtes Rennen“

Als neuer Chef des Bewerbungs-Komitees soll Willy Bogner die Olympischen Winterspiele 2018 nach München holen. Der Kampf um Olympische Spiele war schon immer eine hochpolitische Angelegenheit.

Frank Bachner
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Foto: ddpddp

Es gibt einige Fragen, die Willy Bogner in seinem neuen Job überaus ernst nehmen muss. Zum Beispiel: Wo sollen die Bauern von Garmisch-Partenkirchen ihren Mist ausbringen? Oder: Wo sollen ihre Rinder grasen? Antworten weiß Bogner jetzt natürlich auch noch nicht, er ist ja erst am Freitag offiziell als neuer Chef des Bewerbungs-Komitees von München um die Olympischen Winterspiele 2018 vorgestellt worden. Aber als Kleinkram kann er diese Fragen nicht abtun.

In Garmisch-Partenkirchen sollen unter anderem wochenlang Container für etwa 3700 Journalisten stehen. Die Bauern müssten dafür ihre Stadel auf den Wiesen abbauen und überlegen gerade lautstark, ob sie für Olympia überhaupt ihr Land verpachten sollen. Sagen sie Nein, dann können die Olympia-Macher einpacken.

Eine echte Herausforderung also für den neuen Chef. Mit Mist und grasenden Kühen hat Bogner bisher eher wenig Erfahrung gemacht, der geborene Münchner steht für populäre Sportmode aus seinem Haus oder für spektakuläre Filmszenen, zum Beispiel beim James-Bond-Klassiker „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Dort fuhr Bogner auf Skiern rückwärts mit der Kamera vor den Skifahrern her.

Das war selbst für ihn eine Mutprobe, obwohl er in den sechziger Jahren zu den besten deutschen Skifahrern gehörte. Zweimal, 1960 und 1964, startete er bei Olympischen Spielen. Die Kombination aus Ex-Spitzensportler und erfolgreichem Unternehmer, die prädestiniert den 67-Jährigen für seinen neuen Job, jedenfalls nach Ansicht der Funktionäre, die ihn ausgesucht haben. Bogner kleidet seit Jahren die deutsche Mannschaft bei Olympischen Winterspielen ein. Zudem ist er ausgezeichnet vernetzt.

Das ist auch nötig, denn der Kampf um Olympische Spiele war schon immer eine hochpolitische Angelegenheit. Neben München bewerben sich auch das französische Annecy und das südkoreanische Pyeongchang um die Winterspiele. Die Entscheidung fällt im Juli 2011, und die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees erwarten, dass hinter jedem Bewerber eine euphorische Bevölkerung steht. Maulende Bauern und ungeklärte Mist-Fragen lassen die Hoffnungen auf einen Zuschlag drastisch sinken.

Sollte München scheitern, dann ist aber zumindest durch Bogners Gage kein finanzieller Schaden entstanden. Der neue Bewerber-Chef arbeitet für ein symbolisches Gehalt: ein Euro.

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