Porträt : "Wir sind gegen Assimilationen“

Luis Durnwalder ist der Landeshauptmann Südtirols, fühlt sich unersetzlich - und lehnt zweisprachige Schulen mit einem geradezu balkanesken Argument ab.

Paul Kreiner

Südtiroler, die ihren Ministerpräsidenten treffen wollen, brauchen nur früh aufzustehen. Morgens zwischen sechs und acht Uhr öffnet Landeshauptmann Luis Durnwalder sein Büro in Bozen für jeden, der eine satte Beschwerde, ein kleines Wehwehchen vortragen oder nur mal plaudern will. Einer Voranmeldung bedarf es nicht – es kann nur passieren, dass die Warteschlange zu lang und eine zweite Anreise nötig ist.

Der 67-jährige Luis Durnwalder ist das fünfte von elf Kindern einer Bergbauernfamilie. Sein Land regiert er seit 19 Jahren in ebenso volksnaher wie paternalistischer Art und Weise. Vorher an der Spitze des Bauernbundes, dann Chef der CSU-artigen Südtiroler Volkspartei, hält sich der recht lebensfrohe „Durni“ viel darauf zugute, der „Autonomen Provinz Bozen“ einen Wohlstand verschafft zu haben, wie er in Europa kaum seinesgleichen kennt, in Italien sowieso nicht.

„Nur ist das Gefühl, dass Kinder den Eltern auch etwas zurückgeben müssen, nicht mehr so verwurzelt. Gewisse Werte sind heute verloren gegangen.“ So sprach Papa Durnwalder kurz vor der Landtagswahl, und seine düsteren Ahnungen haben sich bestätigt. „Seine“ Südtiroler Volkspartei (SVP) ist erstmals seit sechs Jahrzehnten unter die 50-Prozent-Marke gefallen.

Aber warum? Kritiker sagen seit langem, die Herrschaft der Volkspartei sei klientelistisch strukturiert, eine absolutistische Maschine zur Erteilung von Privilegien. Durnwalder selbst, Herr über eine Region mit 487 000 Einwohnern, bezieht ein Monatsgehalt, das um 6000 Euro höher liegt als das der deutschen Bundeskanzlerin – und er hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er das auch verdient.

Mit der SVP fühlt sich Durnwalder auch als Verkörperung der „deutschen Minderheit“ in Südtirol, wo 130 000 Italiener und 340 000 Deutschsprachige leben. Zweisprachige Schulen lehnt Durnwalder mit einem geradezu balkanesken Argument ab: „Da schicken italienische Familien ihre Kinder auf deutsche Schulen, dort entstehen Freundschaften, und danach findet sich auch der Arbeitsplatz in einer deutschen Umgebung. Ergebnis: Man fühlt sich mehr als Deutscher denn als Italiener.“

Vor diesem Wahlsonntag hatte Durnwalder erklärt, bei einem Ergebnis von weniger als 50 Prozent trete er zurück. Nach Auszählung der Stimmen sagte er am Montag ganz cool: „Ohne mich wär’s noch schlechter ausgefallen.“ Mit anderen Worten: Da fühlt sich einer unersetzlich. Paul Kreiner

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