• PORTRÄT WOLFGANG ISCHINGER, LEITER SICHERHEITSKONFERENZ: "Fünf Jahre müssen sich mal auszahlen"

PORTRÄT WOLFGANG ISCHINGER, LEITER SICHERHEITSKONFERENZ : "Fünf Jahre müssen sich mal auszahlen"

Als Vermittler für die Welt fühlt er sich wohl: Wolfgang Ischinger gibt in München sein Debüt als Chef der Sicherheitskonferenz.

Ingrid Müller
254965_0_77442324.jpeg
Wolfgang Ischinger -Foto: dpa

Schwierige Aufgaben mag der schmale Herr mit der dezenten Brille. Wenn es zu normal wird, scheint Wolfgang Ischinger sich zu langweilen. Dem ehemaligen Botschafter in Washington kam es wohl wie gerufen, dass er als Nachfolger von Horst Teltschik Chef der Sicherheitskonferenz werden sollte. Von Freitag bis Sonntag wird der gelernte Jurist mit zurückhaltendem Auftreten, aber Hartnäckigkeit in der Sache in München sein Debüt geben. Es hat den Anschein, als würde er die früher vor allem von hohen Uniformträgern aus aller Welt dominierte Konferenz gern zum wichtigsten außenpolitischen Diskussionsforum machen. München nannte sich gern das Davos der Sicherheitspolitik. Ischinger hätte wohl am liebsten seine eigene Marke. Keine Vergleiche. Er hat bereits begonnen, die Wirtschaft einzubinden.

Und zu seiner ersten Konferenz macht die neue US-Regierung mit Obamas Vize Joe Biden und allerlei anderen ihre Aufwartung. Die ersten Linien einer neuen Weltordnung könnten da beredet werden, wenn die Politiker aus Europa, Russland, Iran nicht nur zuhören, sondern auch ihre Vorstellungen formulieren. Als Vermittler für die Welt fühlt sich Ischinger wohl. Auf seinem bisher letzten Posten im Auswärtigen Dienst als Botschafter in London hatte der Genscher-Diplomat nebenher noch den Kosovo-Beauftragten der EU gegeben. Für die Konferenz hat er sich beurlauben lassen und in der Wirtschaft bei der Allianz als deren Außenminister angeheuert.

Nun kann der 62-jährige Schwabe ein paar Früchte seiner langjährigen Netzwerkerei ernten. „Ich war fünf Jahre Botschafter in den USA, irgendwann muss sich das mal auszahlen“ – was er dieser Tage so locker dahinsagte, hat einen ernsten Kern. Amerika zog ihn schon als Austauschschüler und Student an. Als er vom Staatssekretärsposten auf den des Botschafters in den USA weggelobt wurde, begann eine spannende, aber nervenzehrende Zeit.

Erster Arbeitstag: der 11. September 2001. Gerhard Schröders Wort von der „uneingeschränkten Solidarität“ wird ihm zugeschrieben. Einen seiner legendären Auftritte als Vertreter Deutschlands in aufgeheizten Irakkriegszeiten absolvierte er bei Bill O’Reilly vom Sender Fox. Der hielt ihm vor, Amerika habe den Deutschen im Weltkrieg „den Arsch gerettet“, was die denn jetzt täten? Ischinger argumentierte gelassen, betonte die grundsätzliche Solidarität. Nach so etwas müsste München richtig gut tun.Ingrid Müller

0 Kommentare

Neuester Kommentar