PORTRÄT : Wolfgang Kubicki: „Keiner wird geschont!“

Der FDP-Fraktionschef in Kiel kann es sich leisten, die CDU zu kritisieren: Umfragen signalisieren den Liberalen ein Rekordergebnis.

Dieter Hanisch
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Foto: dpa

Läuft man im Kieler Landeshaus einem stets sonnengebräunten und eloquenten Politiker über den Weg, dann kann es sich dabei eigentlich nur um FDPFraktionschef Wolfgang Kubicki handeln. Der Liberale, der sich bundespolitisch einst im Fahrwasser von Jürgen Möllemann bewegte, sieht sich gerne in der Rolle des scharfzüngigen Querdenkers, der immer nach vorne drängt. In der aktuellen Kieler Schlammschlacht allerdings kann sich der Strafverteidiger bequem zurücklehnen. Die Stimmung bei den Liberalen ist prächtig. Meinungsumfragen stellen der Küsten-FDP bei einer vorgezogenen Landtagswahl ein Rekordergebnis von 15 Prozent und mehr in Aussicht.

Dermaßen gestärkt lässt es sich Kubicki nicht nehmen, Ministerpräsident Peter Harry Carstensen anzugreifen, den Wunschkoalitionspartner von der CDU. Dem engsten Umfeld Carstensens hat Kubicki im Zusammenhang mit der jüngsten Briefaffäre des Landesvaters „Schlamperei“ attestiert. „Unbeschädigt ist Herr Carstensen mit Sicherheit nicht“, erklärte der Liberale am Dienstag.

Schon Ende Januar hatte Kubicki versucht, Carstensen und dessen Partei ein paar Lektionen zu erteilen. Bei der Einsetzung des Untersuchungsausschusses zur landeseigenen HSH Nordbank drohte er in Anklägermanier: „Keiner wird geschont!“ Mehrmals griff Kubicki Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) wegen dessen Krisenmanagements an und forderte sogar dessen Rücktritt.

Für die Liberalen in Schleswig-Holstein ist der 57 Jahre alte Kubicki als Zugpferd unverzichtbar. Privat lenkt er ein großes Motorrad und steuert ein Motorboot namens „Liberty“. Er ist auch unumstrittener Lenker und Denker der Nord-FDP, aber trotz guter Wahlaussichten hat Kubicki bereits seinen Verzicht auf einen Ministerposten erklärt. Dieser würde ihm nicht mehr erlauben, in seiner Kanzlei zu arbeiten und zum Teil spektakuläre Prozesse zu begleiten, wie zuletzt als Rechtsbeistand in der VW-Korruptionsaffäre.

Seine Sozietät betreibt er übrigens zusammen mit Trutz Graf Kerssenbrock. Dieser war im Barschel-Untersuchungsausschuss seinerzeit der „Aufklärer“ in den Reihen der Union, was ihn politisch in seiner Partei in Ungnade fallen ließ. Einziger Makel Kubickis bleiben vermeintliche Interessenkollisionen im Zusammenhang mit der Mülldeponie Schönberg Anfang der 90er Jahre. Doch das scheint die Bevölkerung längst vergessen zu haben. Dieter Hanisch

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