PORTRÄT WOLFGANG RADEMANN FERNSEHPRODUZENT: : „Die Wirklichkeit fließt nie mit ein“

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Hape Kerkeling, Harald Schmidt, Hannelore Elsner – wenn Wolfgang Rademann ruft, packen die Stars auch schon die Koffer. Es geht aufs „Traumschiff“, Rademann ist nicht dessen Reeder, er ist der Erfinder und der Produzent der gleichnamigen ZDF-Reihe. Wenn am 6. November das 30-jährige Jubiläum gefeiert wird, hat sich das Rezept über drei Jahrzehnte nicht um ein Jota geändert: Sonnenschein und Luxus, traumhafte Kulissen an den schönsten Plätzen der Erde und immer ein Happy End. Ob die Schauspieler glänzen und die Dialoge funkeln, ist nur insofern eine Frage, als die Palme nicht verdeckt werden darf. „Die Wirklichkeit fließt niemals mit ein“, da komme nur rein, was er wolle, sagt der „Unterhaltungsfuzzy“ (R. über R.).

Die Erfolgsliste des Fernsehproduzenten ist furchterregend lang. „Die Peter Alexander Show“, „Ein verrücktes Paar“ mit Harald Juhnke, „Die Schwarzwaldklinik“, das sind nur einige seiner Quotenstreiche. Er wolle nicht belehren, nicht erziehen, Rademann versteht sich als erster Diener eines Unterhaltungsbedürfnisses, das die breite Masse prägt. Mit Feuilleton darf man ihm nicht kommen.

Rademann kann so breit grinsen wie der Ku’damm lang ist. Den kennt er genau, denn er ist Berliner. Geboren 1934 in Neuenhagen, war er nach dem Krieg und bis zu seiner Flucht 1958 Lokalreporter und stellte Tanzmusik-Sendungen zusammen. Im Westen der geteilten Stadt arbeitete er für die „B.Z.“ und verschiedene Illustrierte. Das brachte dem umtriebigen Rademann jede Menge Kontakte in der Showbranche und 1962 seinen ersten Vertrag als Pressechef von Caterina Valente ein. Was folgte, war eine Fernsehkarriere hinter den Kulissen, wie es in Deutschland kaum eine zweite gibt. Rademann ist dabei „Workaholic“, er kümmert sich um das Große und das Kleine, keiner weiß besser, wie der Erfolg herbeiproduziert werden kann.

Vieles war zeit- und personengebunden, das „Traumschiff“ war und ist es nicht. Die Sehnsucht der Deutschen nach Fernreise in Luxus ist unvergänglich, Wolfgang Rademann war stes der Prophet der boomenden Kreuzfahrerei. Aber auch er kennt Sorgen: „Mir geht die Welt aus“, sagt er mit Blick auf das nicht enden sollende „Kapitäns Dinner“, nur noch die Philippinen, Kuba, Alaska und Korea seien unbereist. Vielleicht weiß Ruth Maria Kubitschek Rat? Die Schauspielerin, seit 1976 Rademanns Lebensgefährtin, ist Esoterikerin und als solche niemals überfragt. Joachim Huber

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