Positionen : Bushidos Welt

Warum die Musik einiger Gangsta-Rapper verboten gehört.

Volker Beck
Bushido
Bushido: "Wir verkloppen jede Schwuchtel". -Foto: ddp

Das Jugendmagazin „Bravo“ macht mobil gegen Gewalt an Deutschlands Schulen: „Schau nicht weg – Gegen Gewalt an Schulen“: Gemeinsam mit den Stars und Sternchen der Jugendmusikszene wird Flagge gezeigt. Gut so!

Denn die Bilanz einer „Bravo“- Studie ist alarmierend: Jeder dritte Schüler hat demnach Angst, jeder fünfte wurde schon Opfer von Gewalt. An jedem Schultag werden 480 Schüler so schwer verletzt, dass sie zum Arzt müssen. Grund genug, um genau hinzuschauen, woher diese Kultur der Gewalt kommt. Es ist total o.k., wenn man die von den Kids als coole Typen angehimmelten Idole der Rapper- oder Hip-Hop-Szene für solche Aktionen gegen Gewalt gewinnen kann. Die Kids beachten sie viel eher als Politiker mit pädagogischen Zeigefinger. Leider scheint „Bravo“ aber den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen. Denn liest man die Liste der unterstützenden Künstler, die auf einem Konzert auftreten sollen, dann springen einem darunter auch Namen wie Bushido und Fler ins Auge.

In der Vergangenheit sorgte Bushido mit seinen schwulen- und frauenfeindlichen Texten immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Dabei gehen seine Texte über das szenetypische Dissen (slang abgeleitet von „disrespect“) hinaus: „Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel.“ Die Textzeile „Ihr Tunten werdet vergast“ wurde auf öffentlichen Druck hin von seinem damaligen Label „Universal“ nicht veröffentlicht. Kein Zweifel: Das sind Aufrufe zu Gewalt, das ist Volksverhetzung. Wenn er Frauen und Nutten in seinen pornografischen Texten gleichsetzt, kann dies auch als Billigung von sexueller Gewalt gelesen werden. Und Fler macht damit von sich reden, dass er mit rechtsradikalem Gedankengut kokettiert und in dieser Szene auch seine Abnehmer findet.

Der Umgang mit Gangsta-Rap ist dabei kein einfaches Unterfangen. Diese Musikkultur ist auf Provokation und Tabubruch angelegt. Jedes Verbot, jede öffentliche Reaktion auf die Provokationen ist immer einkalkuliert in die PR-Strategie dieser Musiker und ihrer zynischen Labels. Kritiker laufen so immer auch Gefahr, als uncoole Spielverderber denunziert zu werden.

Die Auseinandersetzung mit Gewalt und Aggression gehörte von Anfang an zum Rap: Schließlich hat er sich aus der Musik schwarzer Jugendlicher in New York entwickelt. In dem Sprechgesang drückten sie ihre Wut über das Leben und die Missstände in ihren Ghettos aus. In den 80er Jahren entwickelte sich das Battlen: Wortgefechte auf der Bühne, mit dem Mikrofon ausgetragen, als Alternative zum Bandenkrieg. Eigentlich ein Zivilisierungsprozess.

Statt mit körperlicher Gewalt werden die Konflikte mit Worten statt Taten ausgetragen. Schlagfertigkeit statt Schläge. Das gegenseitige Dissen gehört dazu. Die Stärke des Applauses entscheidet über Sieger und Besiegte. Daran erinnert auch der Gangsta-Rap von Bushido, G-Hot oder Fler: Von den Bühnenkämpfen geblieben ist der Macho-Lebensstil mit Frauenverachtung und Homosexuellenhass. Zuhälterattitüde, Strafverfahren und Sexismus sind Attribute dieser Rapper, für die Frauen Nutten oder Schlampen sind.

Aber auch auf die Gefahr hin, als uncool daherzukommen: Von diesen Typen darf man sich nicht missbrauchen lassen. Ihnen darf man kein Forum schaffen. „Bravo“ sollte sich das Motto seiner eigenen Aktion zu Herzen nehmen. Schau nicht weg. Den Damen und Herren von „Bravo“ kann ich nur raten, niemandem eine Bühne zu bieten, der gegen Frauen, Schwule oder andere Gruppen in der Gesellschaft hetzt. Nur wenn die Zivilgesellschaft Hetze entgegentritt, wenn die Staatsanwaltschaften Aufrufe zu Gewalt verfolgen und durch Indizierung das Geldverdienen mit dieser Hasskultur unterbunden wird, können wir auch wirkungsvoll gegen die alltägliche Gewalt vorgehen.

Bei Frauenverachtung, Aufrufen zu Gewalt und Hetze gegen Minderheiten hört der Spaß auf!

Der Autor ist parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag.

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