Präsidentenwahl in Tschechien : Rat der Alten

Nun geht's in die Stichwahl. Milos Zeman ist der bevorzugte Kandidat des amtierenden Präsidenten Vaclav Klaus, Karel Schwarzenberg beruft sich auf das Erbe des unlängst verstorbenen Vaclav Havel. Die Überväter und Antipoden polarisieren die tschechische Gesellschaft.

Kilian Kirchgeßner

Dass es sich so zuspitzen würde, war vor der tschechischen Präsidentschaftswahl nicht zu erwarten. Doch nun hat es Karel Schwarzenberg aus neun Kandidaten in die Stichwahl geschafft, zusammen mit dem Favoriten Milos Zeman. Zum ersten Mal können sich die Tschechen ihr Staatsoberhaupt selbst aussuchen, bislang wurden diese stets vom Parlament bestimmt. Für einen Aufbruch zu neuen Ufern haben sich die Wähler allerdings nicht aufgerafft – sie haben die beiden ältesten Kandidaten ausgewählt (75 und 68 Jahre alt). Auch deshalb wird es bei der Stichwahl weniger um Inhalte gehen als um Ideologie: Zeman ist der bevorzugte Kandidat des amtierenden Präsidenten Vaclav Klaus, Schwarzenberg beruft sich auf das Erbe des unlängst verstorbenen Vaclav Havel. Diese beiden bisherigen Präsidenten polarisieren die tschechische Gesellschaft; Havel als Philosoph und Weltbürger mit hohen moralischen Ansprüchen, Klaus als sein wirtschaftsliberaler und isolationistischer Gegenpol. Bei der Stichwahl geht es um eine Entscheidung zwischen den Werten dieser Überväter und Antipoden. Für Europa immerhin wäre Schwarzenberg, der jetzige Außenminister Tschechiens, ein großer Gewinn: Er, der neben der tschechischen auch die schweizerische Staatsbürgerschaft hat und lange Jahre in Deutschland und Österreich gelebt hat, würde mit dem Land ein neues europapolitisches Kapitel aufschlagen.

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