Rafael Correa: : „Die Wirtschaft dient nicht dem Markt“

Kritiker halten Rafael Correa für einen arroganten Aufsteiger. Jetzt ist er Präsident Ecuadors geworden. Ein Porträt.

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Vom Charisma her hätte Rafael Correa auch Schauspieler oder Wanderprediger werden können. Doch der Sohn einer katholischen Mittelschichtfamilie aus der Hafenstadt Guayaquil studierte Wirtschaftswissenschaft und schlug eine akademische Karriere ein. Schon von klein auf habe er einen starken Gerechtigkeitssinn entwickelt, erinnert sich seine Mutter. Einen Teil seines Studiums absolvierte er an der Universität Illinois, wo er zum Bewunderer des Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz wurde. Ehemalige Studenten erinnern sich an Correa als einen unkonventionellen Dozenten mit linken Ideen, der nicht nur Lehrbücher heruntergebetet habe. „Vergesst nie, Wirtschaft steht zu allererst im Dienste der Gesellschaft, nicht des Marktes“, pflegte er zu sagen.

Der 49-Jährige, der seit 2007 regiert und dem Andenland seither wieder politische und wirtschaftliche Stabilität gebracht hat, ist ein pragmatischer Akademiker, ein begnadeter Redner und ein Bewunderer des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez – wenngleich er selbst eine weitaus effizientere, weniger ideologisierte Umverteilungspolitik betreibt. Sich selbst definiert er als „linken, christlichen Humanisten“. Bevor er nach dem heimischen Abschluss im Ausland weiterstudierte, machte er ein Praktikum bei einer Indiogemeinde im Süden Ecuadors. Seither spricht er auch etwas Quechua.

Politisch ist der mit einer Belgierin verheiratete dreifache Familienvater ein Spätberufener. Übergangspräsident Alfredo Palacio hatte ihn 2005 als Wirtschafts- und Finanzminister in sein Kabinett geholt. In dieser Funktion verschärfte Correa die Konditionen für ausländische Erdölmultis, kritisierte offen die USA und vereinbarte mit Chávez die Übernahme eines Teils der ecuadorianischen Staatsschulden. Das schuf zu viel Konfliktpotenzial. Nach nur 106 Tagen wurde Correa als Minister entlassen. Es mehrte seinen Ruhm.

Kritiker halten Correa für einen arroganten Aufsteiger. Dazu beigetragen hat seine Schlagfertigkeit. Aber damit hat er auch viele ehemalige Weggefährten verprellt. Zum Beispiel die Indigenas, deren Proteste gegen groß angelegte Bergbauprojekte er als „infantil“ abtat. Oder seinen langjährigen Mentor, den Minister und ehemaligen Chef der Verfassunggebenden Versammlung, Alberto Acosta. Dieser bezeichnet Correa inzwischen als selbstherrlichen „Sonnenkönig“, beratungsresistent und populistisch. Sandra Weiss

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