Rechtssprechung : Der Fall Torben P.: Hass macht milde

24.09.2011 22:27 UhrVon Jost Müller-Neuhof
  • Das Verfahren ist im April endgültig beendet. Die Revision ist gescheitert, das Urteil von zwei Jahren und zehn Monaten Haft ist rechtskräftig. Seine Anwälte sind dagegen in... - Foto: dpa
  • Einer der meistbeachteten Prozesse in Berlin geht zu Ende: Der 18-jährige Torben P. wird zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. - Foto: dapd
  • Die Bilder aus der Überwachungskamera zeigen den Angriff. Auf das bereits am Boden liegende Opfer tritt Torben P. mehrmals ein. Zunächst hatte er mit einer Flasche zugeschlagen. - Foto: Reuters

Das milde Urteil gegen den U-Bahnschläger Torben P. begründete der Richter unter anderem mit der "reißerischen" Berichterstattung. Darf es sein, dass ein Straftäter in Watte gepackt wird, weil sich die Öffentlichkeit empört?

„Menschenunwürdig“ hätten die Medien über den Angeklagten geschrieben, eine „schamlose Jagd“. Also, sagt der Richter, sei die Strafe auch wegen der reißerischen Presse zu mildern, obwohl der Angeklagte selbst mit seiner Tat den Anlass gegeben hatte und seine Schuld erwiesen war. Kann das noch gerecht sein? Einen Straftäter in Watte packen, weil sich die Öffentlichkeit empört?

Die Diskussion darum, die im Fall des Anfang vergangener Woche verurteilten U-Bahnschlägers Torben P. geführt wurde – auch er erhielt wegen des „Medienprangers“ eine mildere Strafe – blieb dem verstorbenen Maler Jörg Immendorff erspart, der, schwer erkrankt, dem nahenden Lebensende mit Koks-Partys und Prostituierten entgegenging.

Die Richter blieben bei ihm sogar mit elf Monaten unterhalb der gesetzlich vorgesehenen Mindeststrafe, aus gesundheitlichen Gründen, aber eben auch wegen erwähnter „menschenunwürdiger“ Berichte über ihn. Ähnlich die beiden Polizisten Wolfgang Daschner und Ortwin Ennigkeit, denen vor Gericht äußerste Milde widerfuhr. Sie hatten, in bester Absicht, einem Verdächtigen mit Folter gedroht, um einem entführten Kind das Leben zu retten; für die vollendete Nötigung, dazu noch im Amt, gab es Mini-Strafen, auch hier unter anderem wegen der Medienberichte, die sie belastet hätten. Schließlich Jörg Kachelmann: Bei ihm hätten die entblößenden Storys, wäre er verurteilt worden, zu massiver Milderung geführt. Der ihm keineswegs wohlgesonnene Staatsanwalt hatte es ausdrücklich so beantragt.

Videos - Meinung

Umfrage

Das DFB-Bundesgericht hat entschieden, dass Herthas Relegationsspiel gegen Düsseldorf nicht wiederholt wird. Eine richtige Entscheidung?

Service

Harald Martenstein

Foto:

Tagesspiegel-Texte von und über den Kolumnisten Harald Martenstein.

Zur Artikelübersicht

Weitere Themen

Stephan-Andreas Casdorff

Foto:

Tagesspiegel-Texte von und über den Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff.

Zur Artikelübersicht

Umfrage

Karneval der Kulturen 2012. Auf was freuen Sie sich am meisten?

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite

Lorenz Maroldt

Foto:

Tagesspiegel-Texte von und über den Chefredakteur Lorenz Maroldt.

Zur Artikelübersicht

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen

Harald Schumann

Foto:

Alle Tagesspiegel-Texte von und über Harald Schumann.

Harald Schumann