Rechtssprechung : Der Fall Torben P.: Hass macht milde

Das milde Urteil gegen den U-Bahnschläger Torben P. begründete der Richter unter anderem mit der "reißerischen" Berichterstattung. Darf es sein, dass ein Straftäter in Watte gepackt wird, weil sich die Öffentlichkeit empört?

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Das Verfahren ist im April endgültig beendet. Die Revision ist gescheitert, das Urteil von zwei Jahren und zehn Monaten Haft ist rechtskräftig. Seine Anwälte sind dagegen in Revision gegangen. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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20.09.2011 12:10Das Verfahren ist im April endgültig beendet. Die Revision ist gescheitert, das Urteil von zwei Jahren und zehn Monaten Haft ist...

„Menschenunwürdig“ hätten die Medien über den Angeklagten geschrieben, eine „schamlose Jagd“. Also, sagt der Richter, sei die Strafe auch wegen der reißerischen Presse zu mildern, obwohl der Angeklagte selbst mit seiner Tat den Anlass gegeben hatte und seine Schuld erwiesen war. Kann das noch gerecht sein? Einen Straftäter in Watte packen, weil sich die Öffentlichkeit empört?

Die Diskussion darum, die im Fall des Anfang vergangener Woche verurteilten U-Bahnschlägers Torben P. geführt wurde – auch er erhielt wegen des „Medienprangers“ eine mildere Strafe – blieb dem verstorbenen Maler Jörg Immendorff erspart, der, schwer erkrankt, dem nahenden Lebensende mit Koks-Partys und Prostituierten entgegenging. Die Richter blieben bei ihm sogar mit elf Monaten unterhalb der gesetzlich vorgesehenen Mindeststrafe, aus gesundheitlichen Gründen, aber eben auch wegen erwähnter „menschenunwürdiger“ Berichte über ihn. Ähnlich die beiden Polizisten Wolfgang Daschner und Ortwin Ennigkeit, denen vor Gericht äußerste Milde widerfuhr. Sie hatten, in bester Absicht, einem Verdächtigen mit Folter gedroht, um einem entführten Kind das Leben zu retten; für die vollendete Nötigung, dazu noch im Amt, gab es Mini-Strafen, auch hier unter anderem wegen der Medienberichte, die sie belastet hätten. Schließlich Jörg Kachelmann: Bei ihm hätten die entblößenden Storys, wäre er verurteilt worden, zu massiver Milderung geführt. Der ihm keineswegs wohlgesonnene Staatsanwalt hatte es ausdrücklich so beantragt.

Je unsachlicher die Berichte, desto milder die Strafe. Muss das so sein? Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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