Rettungsplan für US-Banken : Das Mega-Experiment

Republikaner und Demokraten wollen den Banken mit einem Millardenpaket zur Seite stehen. Doch selbst Befürworter der Staatsintervention sagen: Was wir machen, ist vom System her falsch.

Christoph von Marschall

Am Ende war der Zeitdruck stärker als die prinzipiellen Bedenken, ob der Staat Grundregeln der Marktwirtschaft außer Kraft setzen darf. Die Vorstellung, dass eine weitere Woche mit dramatischen Kursstürzen und womöglich den nächsten Firmenpleiten beginnt, war erst recht abschreckend für die US-Abgeordneten. Sie wollten ein Rettungspaket für die Finanzwirtschaft verabschieden, ehe am Montag früh die Börsen öffnen. Der erhoffte psychologische Effekt war vielen wichtiger als die Details der Einigung.

Als Deutschland sich am Sonntagabend schlafen legte, gab es noch keinen formalen Beschluss über das Gesamtpaket. Die Unterhändler der Republikaner und Demokraten hatten den Tag damit verbracht, ihre Absprachen zu Papier zu bringen. Rückschläge waren noch möglich, aber alle Beteiligten versicherten, man sei sich einig. Das hatte es am Donnerstag, vor dem Treffen der Kongressführer mit den Präsidentschaftskandidaten im Weißen Haus, auch schon geheißen. Aber der Republikaner John McCain hat sich mit seinem Interventionsversuch so geschadet, dass er sich nun wohlweislich heraushielt.

Nur, ist es überhaupt richtig, dass der Staat hunderte Milliarden Dollar Steuergeld in die Hand nimmt, um Finanzkonzerne zu retten, die nach den Regeln der Marktwirtschaft die Kosten ihrer Fehler selbst tragen müssten? Und wird es funktionieren? Dazu sagen selbst Befürworter der Staatsintervention: Was wir machen, ist vom System her falsch. Wir haben jedoch keine Wahl, ohne diese Hilfe würden so viele Banken und Versicherungen pleitegehen, dass entweder das Zahlungssystem in den USA zusammenbricht oder das Land in eine langjährige Schwächephase driftet. Eingreifen komme billiger, als dem Markt die schmerzhaften Korrekturen zu erlauben. Ob das stimmt – und ob der Rettungsversuch Erfolg hat –, kann niemand mit Sicherheit sagen. Es ist ein bisher beispielloses Mega-Experiment. Und es gibt keine Parallelwelt mit identischer Ausgangslage, wo man die realen Folgen eines Nichteingreifens zulassen und dann durchrechnen kann. Ob Amerika das Richtige tut, bleibt auch diesmal Glaubenssache.

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