Meinung : Roland Kochs Bildungsföderalismus Rabenvater

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Stellen wir uns ein Kind vor, dessen Eltern gerade geschieden wurden. Das Gericht hat das Sorgerecht dem Vater zugesprochen, nicht der Mutter. Doch es ist die Mutter, die dem frierenden Kind Schuhe kaufen möchte. Das will der Vater nicht zulassen. Die Mutter soll endlich aufhören, sich in fremde Angelegenheiten einzumischen! – Dann kauft doch bestimmt der Vater dem Kind die Schuhe? – Irrtum. Der Mann kann und will das nicht. Diesen Rabenvater gibt es wirklich. Er heißt Roland Koch und ist Hessens Ministerpräsident. Er will verhindern, dass die Hochschulen Geld von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn bekommen. Deswegen hat er jetzt eine Verfassungsklage eingereicht. 4,4 Millionen Euro will Bulmahn der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) geben. Die HRK möchte das Geld an 20 Universitäten weiterleiten, die sich in einem Wettbewerb von 127 Hochschulen durchgesetzt haben. Die Sieger bezahlen damit je einen „BolognaExperten“, der ihnen hilft, die von Bund und Ländern gewollte Umstellung der Studiengänge auf Master und Bachelor voranzutreiben. Zusätzliches Geld für die Reform gaben die Länder, die für die Finanzierung der Unis zuständig sind, nicht. Nun gibt der Bund wenigstens ein bisschen. Doch Koch blockiert, obwohl er mit leeren Händen dasteht. Landesväter wie Koch gibt es noch mehr in der Union. Am Freitag richteten die großen Wissenschaftsorganisationen einen dramatischen Appell an die Politik, die von Bund und Kultusministern längst beschlossenen Milliardenprogramme für die Forschung aus der Geiselhaft im Föderalismusstreit zwischen Bund und Ländern zu befreien. Es geht um die Zukunft Deutschlands im weltweiten Wettbewerb. Sind die Länder wirklich reif für diese große Verantwortung? Sie leisten gerade einen Offenbarungseid. akü

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