Rütli-Schule als Vorzeigeprojekt : Elite aus Neukölln

Von der Skandalschule zur Lehreinrichtung mit Vorbildcharakter: Das macht der Rütli-Schule so schnell keiner nach.

Susanne Vieth-Entus

Jetzt wird nicht mehr gekleckert – jetzt wird geklotzt! Nachdem der Bezirk Neukölln in schöner Eintracht mit dem Senat jahrzehntelang fast alles unterlassen hatte, was der Rütli-Schule hätte helfen können, werden nunmehr Millionen lockergemacht: Eine riesige Bildungslandschaft wird rund um die berühmte – und nicht mehr berüchtigte – Schule entstehen, in der Kinder von der Geburt bis zum Abitur gut versorgt und gefördert werden sollen. Wenn man das Ausmaß dieses Projektes betrachtet und die Leidenschaft sieht, mit der sich die sozialdemokratischen Landes- und Bezirkspolitiker in das Vorhaben stürzen, spürt man förmlich das schlechte Gewissen, das sich da im Laufe der Zeit aufgestaut hat: gegenüber den Hauptschulen, die mit ihren Problemen allein gelassen wurden, gegenüber den Schülern, denen man bis vor kurzem nicht einmal Sozialpädagogen zubilligte, gegenüber den Migranten, die hier keine Arbeit finden. Dieses schlechte Gewissen lässt sich in der Rütli- Schule sehr öffentlichkeitswirksam bekämpfen, denn längst ist die Schule ihr schlechtes Image los und zu einem Markenzeichen geworden, mit dem man sich schmücken kann. Das alles spricht aber nicht gegen den „Campus Rütli“. Im Gegenteil: Schließlich profitieren vom Gelingen dieses Großprojekts nicht nur die Politiker, sondern auch die Schüler, ihre Familien und der ganze Kiez. Und das ist die Hauptsache.sve

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