Meinung : Ruf von Müttern

Berichterstattung „Zwischenruf zum Muttertag“ von Ursula Weidenfeld vom 8. Mai

Die Argumente von Frau Weidenfeld kann ich nicht nachvollziehen. Gesellschaft und Staat ist es ziemlich egal, wie eine Frau beruflich oder finanziell weiterkommt, wenn erst mal ein Kind da ist. Tolle familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, endlose Toleranz bei Krankheiten der Kinder? Das kann ja wohl nur ironisch gemeint sein. Aber warum diese Häme? Mütter, die trotz guter Ausbildung in der Arbeitslosigkeit oder in schlecht bezahlten Teilzeitjobs landen – warum nur? Weil Kinderaufzucht eben (Arbeits-)Zeit braucht? – haben das nicht verdient.

Und was den Muttertag betrifft: Da verbeugt sich nicht die Nation, sondern „nur“ das eigene Kind. Und wenn einem der Muttertag auch ziemlich hausbacken und überflüssig vorkommt, ist man trotzdem gerührt, wenn die selbstgebastelten Gutscheine fürs Putzen und Aufräumen überreicht werden. Tja. So ist das eben als Mutter.

Kerstin Lange, Berlin

Als Mutter zweier Kinder finde ich auch, dass es bessere Formen der Anerkennung für Eltern gibt als einen Tag im Jahr, manchmal auch peinliche Muttertagsfeiern über sich ergehen zu lassen. Ihre Begründung allerdings ist ein Schlag ins Gesicht all der Frauen, die „... sich nicht retten können vor gesellschaftlicher Anerkennung...“! Diese Frauen finden Sie sicher nicht dort, wo es, leider, immer noch missbilligende Bemerkungen und Blicke wegen nervender und zu lauter „Gören“ gibt.

Tolle, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle? Ja, sicher in fortschrittlichen Großbetrieben, aber nicht in kleinen Praxen, Betrieben oder Läden, wo pünktliche Anwesenheit und möglichst noch ganz flexible „Überstündchen“ gefragt sind.

Endlose Toleranz bei Läusen und Schnupfen? Ja sicher, wenn die Frauen zynische Bemerkungen über häusliche Hygiene und hochgezogene Augenbrauen tolerant überspielen können, um nicht ihren Arbeitsplatz zu

gefährden!

Keine Armut in der Babypause? Natürlich nicht, wenn die Frauen nebenbei als Minijobberin arbeiten und zufällig eine Omi haben, die derweil das Baby betreut! Ganztageskindergarten- und -schulplätze? Aber nur, wenn sie keinen Arbeitsweg haben.

Es wird als Betreuungszeit nur die Arbeits-, aber nicht die Wegezeit anerkannt. Und: wenn die Frauen in einer Großstadt leben!

Berlin ist nicht Deutschland. Schauen Sie sich doch mal in kleinstädtischen und ländlichen Gebieten um. Ordentlich ausgestattet mit finanziellen Mitteln? Reden Sie doch bitte einmal mit den Müttern, die nicht finanziell über einen gutverdienenden Ehemann oder sponsernde Großeltern abgesichert sind.

Ich wünsche Ihnen zum Muttertag, dass Sie mit offenen Augen die Mütter überall sehen und nicht ein vielleicht priviligiertes Grüppchen Frauen, die Sie beim Schreiben Ihres Artikels vor Augen hatten. Dies sind nämlich nicht „Die Mütter“, sondern nur einige wenige.

Sicherlich tut unser Staat vieles, um Frauen und Mütter zu unterstützen,

viel Gutes wurde erreicht in den letzten Jahren.

Gertraud Rivinius-Hölmer,

Berlin-Adlershof

Sicher kann man über die Berechtigung des Muttertages lange diskutieren und auch über die zuweilen erfolgende „Heiligsprechung“ zahlreicher Mütter. Aber davon, dass sich Mütter kaum retten können vor Toleranz, Verständnis gegenüber Fehlstunden und familienfreundlichen Arbeitszeiten kann nach meiner Beobachtung nicht die Rede sein.

Es dürfte angesichts der völligen Kenntnislosigkeit der Verfasserin dieses Zwischenrufs vergebliche Liebesmüh’ sein, ihr von anderen Umständen, die mit der Kindererziehung zusammenhängen, zu berichten oder davon, wer die Rentenbeiträge erwirtschaften wird, von denen die Autorin einen hoffentlich ausgefüllten Lebensabend bestreiten wird.

Zu meiner Person möchte ich anmerken, dass ich Vater von zwei jetzt 15 und 13 Jahre alten Kindern bin und mir einbilde, zu wissen, wovon ich rede. Meine Frau und ich befinden uns in einer guten finanziellen Situation, die Kinder haben wir uns gewünscht und die damit verbundenen Nachteile nehmen wir in Kauf und stellen sie niemand in Rechnung.

Wir lehnen es aber ab, in dieser dämmerhaften Art „angemacht“ zu werden.

Friedrich-Thomas Nebel,

Berlin-Friedenau

Ich bin eine „alte“ Mutter und bin in den 70er Jahren für meine zwei Kinder zu Haus geblieben, um Zeit für sie zu haben. Einen Hund hatten wir auch. Meine Mutter ist früh gestorben, die Schwiegereltern lebten in Ostberlin. Hilfe war daher nicht zu erwarten. Ich habe alles allein gemacht. Das Geld war sehr knapp, staatliche Hilfe haben wir nicht in Anspruch genommen. Eine Putzhilfe oder Kinderfrau hatte ich nicht.

Das Urteil der Berufstätigen über mich als Hausfrau: „Die liegt doch den ganzen Tag auf dem Sofa, blättert in Illustrierten, isst Pralinen und lässt sich vom Mann versorgen.“

Margarete Wachsmann,

Berlin-Heiligensee

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