Russische Öl-Fusion : Gefährlich mächtig

Wladimir Putin versucht, die staatliche Macht über das Öl wiederzugewinnen. Die Zeiten haben sich aber geändert.

Henrik Mortsiefer

Was kümmern uns die Machtverschiebungen in der russischen Erdölindustrie? Ganz einfach: Die Russen sind nicht nur Deutschlands größte Gaslieferanten, ohne Erdöl aus Russland liefe hierzulande ebenfalls nichts mehr rund. Dass Rosneft nun – vom Kreml dirigiert – zum weltgrößten Ölförderer werden will, wird also auch die Handels- und Lieferbeziehungen in den Westen beeinflussen. Weil die Ölquellen in der Nordsee versiegen und die arabischen Länder politisch unruhig geworden sind, bietet sich Russland – hinter Saudi-Arabien bei den Ölvorkommen die Nummer zwei – als verlässlicher Lieferant an. Verlässlich und ungeheuer mächtig. Rosneft würde Monopolist in der russischen Ölproduktion werden. Und Monopolisten sitzen bekanntlich am längsten Hebel, wenn es um Mengen und Preise geht. Dieses Drohpotenzial sollten die Kunden im Westen ernst nehmen. Doch Wladimir Putin, der versucht, Industriezweige wieder zu kontrollieren, die nach dem Fall der Sowjetunion an private Investoren verscherbelt wurden, kann nicht durchregieren wie in alten Zeiten. Ohne zufriedene Geschäftspartner und die Technik westlicher Konzerne, die bei der Erschließung der Ölvorkommen in der Arktis helfen, wird es nichts mit der neuen russischen Öl-Supermacht.

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