Meinung : Saddam bei Aldi

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Wenn wir uns hier mal in die Außenpolitik einmischen dürften? Das mit Saddam Hussein wird ganz falsch angepackt. Wir stellen ihn vor die Wahl, entweder in Bagdad pulverisiert zu werden oder einsam ins Exil zu gehen. Aber was ist das für eine Wahl, wer würde einen mittellosen Diktator aufnehmen? Kuba? Südjemen? Gut: Ein Asylantrag in Deutschland hätte Chancen, denn dass Saddam aus politischen Gründen verfolgt wird, ist ja aktenkundig. Auch beim Einkaufen bei Aldi, notfalls per Sozialhilfegutschein, könnten wir ihn uns noch vorstellen. Aber wie soll der Mann mit den schweren Schuldgefühlen fertig werden, die ihn quälen, seit er sich von deutschen Firmen widerwillig haufenweise Giftgasfabriken und Atomanlagen aufschwatzen ließ? Einer kann eventuell helfen, denn er hilft immer: Jürgen Fliege, der heute in seiner Talkshow die neue Rubrik „Verstehen statt Richten“ eröffnet. Richten will er dann aber doch, freilich „im Sinne von Aufrichten“, den Täter im Opfer zeigen und das Opfer im Täter. Saddam über den Kuwait-Einmarsch („ein dussliger Fehler“), Saddam über Giftgas gegen Kurden („hat der Vertreter als Dünger angepriesen“), Saddam über George W. Bush („ein cooler Typ“) – das wär’s. Nun müsste bloß noch jemand dem UN-Sicherheitsrat Bescheid sagen.

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