Sanierung der Berliner Staatsoper : Baustellen ohne Architekten

Ästhetische Debatten finden nicht mehr statt. Denn sie sind in Berlin nicht gewollt. Das ist bei der Sanierung der Staatsoper so und dürfte beim Humboldt-Forum auch nicht anders werden.

Rüdiger Schaper

Es gehört zu den Ritualen des hauptstädtischen Kulturbetriebs, dass die großen Debatten unweigerlich wiederkehren. Und mit ihnen die ideologischen Großbaustellen. Viel Freude wird uns zum Beispiel noch die Sanierung der Staatsoper machen. Der erste Architekturwettbewerb war ein Debakel, die Entwürfe wurden kassiert, und nun will der Senat das Problem in einem geschlossenen Verfahren aus der Welt schaffen. Schlecht für die Architektur, noch schlechter für die Architekten: Stephan Braunfels, ein prominenter Vertreter seines Standes und ausgewiesener Opern-Aficionado obendrein, hat nun aus freien Stücken seine Idee für die Erhaltung des so geliebten Paulick-Interieurs vorgelegt. Ein moderater Kompromiss zwischen konservatorischen und akustischen Erfordernissen (ja, tatsächlich, es geht hier auch um Musik!), aber Braunfels ist bei dieser verfahrenen Angelegenheit nur Zaungast. Auch wenn er sich durch eine gelungene Modernisierung des Foyers der Komischen Oper hervorgetan hat – es entscheidet die Politik.

Ernsthafte ästhetische Auseinandersetzungen werden nicht mehr geführt, weil sie nicht gewollt sind. Das dürfte beim Humboldt-Forum (respektive Stadtschloss) auch nicht anders werden. Ende des Monats sind dort die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs zu erwarten. Doch die Ausschreibung liest sich schon so fantasietötend, dass eine erneute Pleite nicht ausgeschlossen werden kann. Durch den Bundestagsbeschluss für die dreiseitige Wiederaufführung der Schlossfassade bleibt wenig Spielraum; und so war schon die Beteiligung – oder eben das Fernbleiben – namhafter Architekturbüros eine Enttäuschung.

Ob Humboldt oder Paulick: Berlin beißt sich gern fest an Etiketten. Da schwindelt es sich leicht. Man greift in Berlin auch gern auf das Alte zurück, selbst wenn es nicht mehr vorhanden ist (wie beim Hohenzollernschloss) oder schwer wiegende Mängel aufweist (wie beim Paulick’schen Staatsopernsaal aus den fünfziger Jahren). Stephan Braunfels hat immerhin etwas Bewegung in die leidige Staatsopern-Affäre gebracht. Wird man auf ihn hören? Es ist eine blamable Vorstellung, wenn allein Politiker und Senatsbeamte die bedeutendsten Kulturbaustellen der Hauptstadt deckeln und viele einer Vergangenheit huldigen, die fahrlässig verklärt wird.

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