Saudi Arabien : Wenn … der … Atem … stockt …

Dass in Saudi Arabien die Menschenrechte nicht gelten, ist keine Neuigkeit. Weswegen es wichtig ist, immer wieder daran zu erinnern. Unserem Kolumnisten Helmut Schümann stockt angesichts der jüngsten Barbarei der Atem.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Nein, ich werde nicht müde an Raif Badawi zu erinnern. Der junge Blogger und Menschenrechtler aus Saudi-Arabien sitzt immer noch im Gefängnis, ihm drohen immer noch 950 Hiebe mit dem Stock. Raif Badawi ist ein Mensch. Und er steht als pars pro toto in Saudi-Arabien. Er ist ein Name für die vielen, die in diesem unfassbar reichen Land gefoltert und gemetzelt werden. Nein, das geschieht nicht im Namen des Islam. Das geschieht im Namen der machtbesessenen kranken Hirne in der Saudischen Regierung und Justiz.

So wie auch seinerzeit keine Frau im Namen des Christentums als Hexe verbrannt, kein Mann auf der Streckbank gefoltert und auch niemand geköpft wurde, weil das Christentum es so wollte. Auch damals wollten es nur machtbesessene kranke Hirne so. Raif Badawi hat viele Mitstreiter, sie alle sind Mitleidende. Nicht mitleidend wie wir, die hier am sicheren Schreibtisch uns empören, sondern mitleidend im wahrsten Sinne des Wortes. Raif Badwai ist ein Name von vielen. Zum Beispiel auch der von Ali Mohammed al Nimr, 22 Jahre alt.

Auch al Nimres Fall wurde schon mal erwähnt. Er ist einer aufmerksamen Öffentlichkeit bekannt. Es passiert nur nichts. Wir liefern weiter Waffen nach Saudi-Arabien, machen dort Geschäfte, und dann wird auch al Nimr vergessen.

Und weil das so ist, sei sein Fall noch einmal erzählt, auch wenn sich ob der Ungeheuerlichkeit die Finger sträuben, ob der Widerlichkeit die Galle und nicht nur die hochkommt. Al Nimr war 17 Jahre alt, als er im arabischen Frühling gegen Folter und Willkür auf die Straße ging. Seitdem sitzt er im Gefängnis, man möchte besser nicht wissen, unter welchen Umständen. Nun soll er geköpft werden. Öffentlich, als Schauspiel. Dann soll er … sein Torso … (es stockt einem der Atem) … gekreuzigt werden … kopflos … öffentlich, als Schauspiel ... Man möchte das nicht sehen, man möchte die Augen verschließen. Aber man muss sie aufreißen. Man muss es anprangern. Man muss alles dafür tun, dass dergleichen nirgendwo auf der Welt geschehen kann. Ab und an äußert sich die Öffentlichkeit zu solchen Fällen. Barack Obama hat dieser Tage etwas zu al Nimr gesagt, Angela Merkel dito, auch andere. Wie auch die Menschheitsvereinigung UN. Die hat gerade den UN-Botschafter Saudi-Arabiens, Faisal Bin Hassam Trad, zum Vorsitzenden des Menschenrechtsrates der UN bestimmt. Ich sagte schon, dass ich kotzen möchte.

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